Verlorene Zeit
Dark Romance Geschichte
Die Geschichte „Verlorene Zeit“ von Reva Reh hat am EIS Schreibwettbewerb 2025 zu den Themen Dark Romance und Romantasy teilgenommen. Wir freuen uns darauf, die Geschichte endlich mit der Community teilen zu können!
Triggerwarnung: In dieser Geschichte kommen verschiedene Mafia-bezogene Themen vor. Wenn das nichts für Dich ist, lies lieber bei einer anderen erotischen Geschichte weiter.
Kapitel 1
„Ich kann nicht behaupten, dass mich dieser Anblick kalt lässt.“ Mit verschränkten Armen stand ich im Türrahmen, warf ihm einen amüsierten Blick zu.
Er schnaubte verächtlich. „Kannst du es bitte ein kleines bisschen weniger genießen, Rafe?“ Ich lachte auf. „Ist das ein Befehl, Boss?“
„Vielleicht?“
Mit einem sanften Kopfschütteln löste ich mich und ging auf ihn zu. Vor mir saß einer der Capo der Rocca Familie, Nicodemo. Sein dunkelblauer Anzug zerknittert, das weiße Hemd verschoben und er selbst? An einen Stuhl gefesselt. Inmitten eines Nebenraums der verlassenen Munitionsfabrik. Fast schon poetisch. Natürlich in Gangsterpoesie. „Ich könnte ja sagen: ‚Nicodemo, ich habe dich davor gewarnt, Alleingänge hinzulegen. Warte auf mich.‘ Aber ich bin ja nicht in der Position, solche Bemerkungen fallen zu lassen, nicht wahr?“ „Dünnes Eis, Rafe.“ In seinen eisblauen Augen spiegelte sich ein bedrohlicher Funke wider. „Die Bemerkung?“
„Der Name.“
Ich klatschte in die Hände. „Stimmt, es tut mir leid, Boss.“ Nur sein Vater nannte ihn so. „Nico, wie hast du es geschafft, dich von der Seneca-Gang gefangen nehmen zu lassen?“
Mein Gegenüber verdrehte die Augen. „Unser Treffen lief nicht so, wie geplant.“
„Zu der Schlussfolgerung bin ich auch schon gekommen“, triezte ich ihn noch ein wenig.
„Kannst du mich vielleicht endlich mal losmachen? Das Seil ist verdammt unangenehm.“
„Wofür bin ich eigentlich deine rechte Hand, wenn du mich außen vorlässt?“, fragte ich ihn, während ich ihn umrundete. Ich kniete mich hinter ihn, um das Seil zu lösen. Er seufzte, zog kurz an dem Seil. Da fühlte sich jemand unwohl.
„Du warst beschäftigt mit dem Waffendeal. Und ich bin durchaus in der Lage, meine Geschäfte ohne dich zu führen.“ Vorsichtig machte ich mich an dem Knoten zu schaffen. Sein Anblick fügte meinem Kopfkino noch ein paar Extravorstellungen hinzu.
„Normalerweise schon. Aber hier war wohl der Wurm drinnen, oder?“
„Frag mich nicht. Ich war wohl nicht ganz auf der Höhe.“ Dann hielt er inne, senkte den Kopf. „Wirst du es meinem Vater erzählen?“
„Dem Don?“ Ich ging ganz nah an sein Ohr, streifte das Seil von seinen Händen ab. „Wieso sollte ich? Ich bin nur dir unterstellt. Mein Gehorsam ist dein.“
Sein Kopf schnellte zu mir, unsere Nasenspitzen nur wenige Zentimeter voneinander entfernt. Mit seinem Blick suchte er aufmerksam nach einer erklärenden Regung in meinem Gesicht. Doch so leicht ließ ich ihn nicht vom Haken.
Plötzlich stand ich auf, besah meine Hände. „Aber ich finde, Strafe muss trotzdem sein, Nico.“ Er legte den Kopf in den Nacken und lachte auf. „Soso, du willst mich bestrafen? Deinen Boss?“ Ich nickte selbstsicher. „Ja, durchaus.“
„Und was steht dir da im Sinn?“
Wieder näherte ich mich verdächtig nah an sein Ohr, hauchte: „Den Ferrari. Eine Woche lang.“ Erschrocken sah er mich an. „Welchen?“
„Welchen wohl?“
„Fuck.“ Er hielt inne, überlegte. „Deal. Aber du stellst ihn wieder gewaschen in die Garage zurück, verstanden?“
„Nico, ich bin sowieso der Einzige, der deine Autos wäscht.“ Ich reichte ihm die Hand, half ihm auf. Erneut musterte ich ihn. Lag da ein Hauch von Enttäuschung in der Luft? Ich legte ihm beide Hände auf die Schultern. „Bei allem Spaß, Nico: Geht es dir gut? Haben sie dich verletzt?“
Sein linker Mundwinkel zog sich nach oben. „Nur ein paar Schürfungen. Mein verletztes Ego schmerzt mich mehr.“ Dann hielt er inne. „Und du? Da ist Blut auf deinem Hemd.“ Über beide Ohren hinweg grinste ich ihn an. „Ist nicht meins.“
„Verstehe.“ Er nickte, wich meinem Blick aus. Gott, wie ich für diesen Mann alles tun würde. Die kleine, nachdenkliche Falte, die sich so oft auf seiner Stirn abzeichnete. Sein kämpferischer Perfektionismus, der heute einen empfindlichen Schlag abbekommen hatte. Wenn er mich ließ, würde ich ihm die Welt zu Füßen legen.
„Fahren wir nach Hause, die Jungs räumen gerade den Rest noch auf.“
„Den Rest?“
„Alessios Betonmischer läuft sich gerade warm.“
Er nickte, richtete seinen Anzug wieder und marschierte in Richtung Türe. Sein Blick zierte wieder dieselbe kalte, selbstsichere Ausstrahlung, die so manche Gesprächspartner in die Knie gehen ließ. Außer wohl besagte Gang, die es gewagt hatte, Hand an Nico zu legen. Die Kampfspuren ließ er völlig außer Acht, als er an unseren Männern vorbei ging und jedem selbstverständlich zunickte. Ich folgte ihm, nah.
Kapitel 2
Am Auto öffnete ich ihm die Beifahrertüre, ließ ihn einsteigen. Sogleich setzte ich mich ans Steuer und startete den Wagen. Wir saßen schweigend nebeneinander, unschlüssig, was ich hätte sagen können. Der Klingelton meines Telefons brach die Stille, sein Vater am anderen Ende. Ich nahm den Anruf an, während Nico mir einen wachsamen Blick schenkte. „Guten Abend, Don“, begrüßte ich ihn kurz, aber höflich.
„Ah, Mister Laguardia. Ist die Mission bereits abgeschlossen?“
„Sir, Ihr Sohn sitzt bereits neben mir.“
„Perfekt. Nicodemo, alles in Ordnung?“ In seiner Stimme schwang echtes Interesse mit. Vielleicht tat Nico seinem Vater unrecht. Andererseits kannten wir alle die harte Hand, mit welcher der Don seine Organisation führte.
Zaghaft rutschte Nico auf seinem Sitz umher. „Ja, alles okay.“
Ich räusperte mich. „Unser Unternehmen war ein voller Erfolg, Sir. Der Capo konnte durch seine geschickte Lockvogel Aktion einen großen Teil der Seneca-Gang versammeln und unschädlich machen. Die Konkurrenz sollte sich auf ein vernachlässigbares Maß reduziert haben.“ Der Kopf meines Bosses schoss wieder in meine Richtung, er formte mit dem Mund eine verwirrte Frage.
„Das war alles Teil eures Planes?“ Sein Vater konnte die Überraschung nicht verbergen. „Natürlich, Sir. Ihr Sohn ist ein hervorragender Stratege.“ Jetzt gestikulierte er leicht mit seinen Händen, was ich wieder ignorierte.
„Na dann bin ich froh um dieses Ergebnis. Wir hören uns morgen, Nicodemo.“ Sie verabschiedeten sich voneinander und ich legte auf.
„Wie kannst du nur so lügen, ohne rot zu werden?“
Ich lachte auf. „Nicht nur du bist Teil der Mafia, Nico.“ Angespannt hielt ich inne, biss mir auf die Unterlippe. Sollte ich mich aus dem Fenster lehnen? Mein Bauch sagte ja, mein Kopf nein. „Nur dich könnte ich nie anlügen.“ Bauch hatte gesiegt.
„Wieso das?“ Nicht das erste Mal, dass wir diese Unterhaltung führten.
„Du weißt, dass du mir wichtig bist.“ Seine Augen verengten sich kurz, dann sah er aus dem Fenster. Vielleicht hatte ich dieses Mal zu viel gewagt.
Nach weiteren zehn Minuten kamen wir an meinem Haus an. Wieder bedachte er mich mit einem prüfenden Blick, stieg aber dann kommentarlos aus.
Ich sperrte die Türe auf und ließ ihn eintreten, schaltete die Lichter an.
„Das ist das erste Mal, dass ich bei dir zu Hause bin.“
Ich nickte. „Hier kann ich dich am besten beschützen. Und in deiner Wohnung fürchtete ich, hättest du nicht die Ruhe, die du jetzt brauchst.“
Er hob die Schultern, halbherzig zustimmend. Dann schlenderten wir durch den Flur in das helle Wohnzimmer, an welchem sich die Wohn-/Essküche anschloss. Alles in neutralen Farben gehalten. Oft war ich hier sowieso nicht. Die persönliche Note war völlig vernachlässigbar. „Fühl dich wie zu Hause“, sagte ich und machte eine einladende Geste. „Im Kühlschrank ist bestimmt noch etwas, was deinen Ansprüchen entspricht. Ich richte dir derweil alles für eine Dusche und erste Hilfe her.“
Schnell verschwand ich in den ersten Stock, suchte ihm ein Handtuch sowie ein Shirt, Shorts und eine Jogginghose von mir zusammen. Immerhin hatten wir dieselbe Statur und Größe, da sollten meine Sachen auch ihm passen.
Wieder im Erdgeschoss gab ich ihm Bescheid und er verschwand, mit einem Apfel in der Hand. Tief atmete ich ein und aus, als ich ihn auf der Treppe hörte. Ihn hier bei mir zu haben war ein schönes, aber gefährliches Gefühl. Seit ich ihn kannte, war er eigentlich der Tod meiner Selbstbeherrschung. Jede Bewegung, jeder Atemzug ließ ein Verlangen in mir wachsen. Begierde? Vielleicht. Wenn ich ehrlich war, wäre es aber durchaus ein Gefühl von Macht gewesen. Er war kein Boss, der seine übergeordnete Position ausnutze oder permanent raushängen ließ. Aber trotzdem reizte es mich, seine Grenzen einzureißen.
Ich hatte Desinfektionsmittel, Pflaster und sterile Kompressen vorbereitet und wartete mit einem Glas Wasser darauf, dass er wieder aufkreuzte. Mein Sakko war schon längst über einem Stuhl gehängt und meine Schuhe zur Garderobe gewandert.
Kapitel 3
Als er endlich wiederkam, stockte mir kurz der Atem. Seine braunen Haare klebten ihm nass auf der Stirn und standen ich verschiedene Richtungen ab. Die Jogginghose hielt er in der linken Hand und trat mir nur in schwarzer Shorts und blauem T-Shirt entgegen. Okay, dass würde mich an neue Grenzen bringen. Grenzen der Zurückhaltung und Vernunft.
„Mein Knie wurde aufgeschürft, als ich mit einem der Kerle gekämpft habe.“ Erklärend zeigte er auf sein rechtes Bein, welches tatsächlich eine längere Schürfwunde zierte. „Nicht, dass du denkst, ich würde einfach so halbnackt hier herumlaufen.“
„Setz dich auf die Couch, ich kümmere mich darum.“ Fuck, wieso machte er es mir gerade heute so schwer?
Ich kniete vor ihm, sprühte die Stelle großflächig ein und klebte ein langes Pflaster darüber. „Sonst noch eine Stelle?“
Er schüttelte den Kopf, wich meinem Blick beschämt aus. Was war in ihn gefahren, dass er heute so ausweichend war? Sonst hatte er zehn Schritte in die Zukunft geplant und einen schneidenden Tonfall.
„Rafe, das ist mir jetzt wirklich peinlich, aber kannst du mir das Befreien aus Seilen beibringen?“ „Wie bitte?“ Das erwischte mich, aber eiskalt.
„Na, du bist doch meine rechte Hand und der Sicherheitsexperte. Aus den Fesseln heute hätte ich mich selbst befreien können müssen. Aber es ging nicht. Hilf mir bitte, bring es mir bei.“ „Du willst, dass ich dich zum nächsten Houdini ausbilde?“, lachte ich kurz auf, meinem schmerzhaft pochenden Herz entgegenarbeitend.
„Wenn du so willst.“ Eine kleine Röte zierte seine Wangen.
Überfahren nickte ich kurz, ging in mein Schlafzimmer, um ein Seil aus meinem Fundus zu holen. Im nächsten Moment hatte ich meine Kenntnisse an den Mann gebracht und sah mich einem gefährlich aufreizenden Bild gegenüber. Fokus, Rafe, Fokus.
„Du suchst zuerst den Knoten mit deinen Fingern“, leitete ich ihn an, mich mit aller Kraft konzentrierend, dass hier nicht in eine bestimmte, unpädagogische Richtung zu bringen. „Und dann?“ Er strengte sich wirklich an, was ich deutlich an seinem verbissenen Gesichtsausdruck erkennen konnte.
„Dann löst du den Knoten. Je nachdem, wie deine Hände gefesselt sind kommst du mit den Fingern besser oder schlechter ran.“
Bei seinem Befreiungsversuch wackelte er ein bisschen auf meiner Couch, was die Situation noch grotesker wirken ließ. Plötzlich hielt er inne, sah auf den Boden. „Weißt du, Rafe, du hättest auch etwas anderes als Belohnung verlangen können.“
Er würde nicht? Oder doch? Innerlich mahnte mich mein Herz zur Vorsicht. „Den Maserati?“ Das ließ ihn innehalten und zu mir aufschauen. Fast schon enttäuscht schüttelte er den Kopf. „Egal, vergiss es Rafe. Ich krieg es heute nicht hin, mach mich los und ich geh auf deiner Couch pennen.“
Okay, Nico, zwei Leute können dieses Spiel spielen. Mit einer fließenden Bewegung hatte ich meinen Arm unter seiner Achsel durchgefädelt und ihn in die Höhe gezogen. Unbeholfen und nah hing er in meinem Griff und ich legte meine freie Hand an seine Wange. „Weißt du, was das Problem an der Sache ist?“ Überrumpelt schüttelte er den Kopf. „Ich will nicht belohnt werden. Ich will dich bestrafen. Ohne eingebildet zu klingen, aber Sex mit mir ist keine Bestrafung für dich.“
Er erstarrte, sah mich entgeistert an, bis er verlegen wegschaute. Fast hatte er Ähnlichkeit mit einem schüchternen Schuljungen, der seinem Schwarm seine Liebe gestand. Nicht der Mann, der vor ein paar Wochen noch einen Verräter mit einer Brechstange bearbeitet hatte. „Du weißt davon?“
„Würde ich nicht sagen.“ Vorsichtig zog ich ihn näher an mich ran und flüsterte in sein Ohr. „Es ist vielmehr so, dass ich mich seit ich dich kennen gelernt habe beherrschen muss nicht einzufordern, was mir gehört. Würde ich deinen Körper als Belohnung verlangen, wäre es aber nicht deine Entscheidung.“
Nico schloss die Augen, sah fast verzweifelt aus. Vorsichtig legte er seine Stirn an meine. „Rafe, seit ich dich das erste Mal gesehen habe, stehe ich auf dich. Ich würde mir nichts sehnlicher wünschen, als mich bei dir fallen zu lassen. Du bist der Einzige, dem ich so sehr vertraue, dass ich Kontrolle abgeben könnte.“
Ich spürte ein großes ‚aber‘ im Raum stehen, also legte ich meine Hand an seine Wange, als er sich von mir gelöst hatte. „Dann schlage ich vor, dass wir das hier in meinem Schlafzimmer fortsetzen. Aber dazu stelle ich Bedingungen auf.“
„Die da wären?“
„In meinem Schlafzimmer sind wir auf Augenhöhe. Nichts mit Untergebener und Boss. Du bist nicht mein Capo, sondern nur Nico. Okay?“
Er nickte und fast sah es so aus, als würde er an meinen Lippen hängen. Ich grinste ihn an. „Aber heute bist du der, der unten liegt. Sie es als Teil deiner Bestrafung an.“
Mit einem beherzten Griff packte ich seine Hüfte und warf ihn mir über meine Schulter. Kurz protestierte er, ließ es dann aber zu. Ich meinte gespürt zu haben, dass ihn dieses Gespräch zwischen den Beinen nicht kalt gelassen hatte.
Kapitel 4
In meinem Schlafzimmer setzte ich ihn auf mein Bett. Kurz sondierte er den Raum und sein Blick wurde fast ein wenig nervös. Oder aufgeregt?
Ich öffnete eine Schublade meiner Kommode und zog eine unscheinbare Box hervor, stellte sie neben Nico ab. Ich meinte einen flüchtigen Blick von ihm vernehmen zu können, der sich sofort wieder auf mich richtete.
„Was wird das, Rafe?“ Er legte den Kopf schief. Sein Kopfkino musste definitiv angekurbelt worden sein, da die Regung in der Shorts nicht mehr zu verleugnen war.
Ich kniete mich vor ihn, stellte meine Arme auf seinen Oberschenkeln ab. „Ich sage dir, was ich mir gedacht hätte. Deine Hände sind bereits gefesselt, das ist erledigt. Dazu kommt noch eine Augenbinde und dann werde ich austesten, wie du auf meine Berührungen reagierst.“ Mit leicht geöffnetem Mund nickte er. Ich musterte ihn ausgiebig, jede kleine Facette seines Gesichtes. „Nico, ich finde es ja schon heiß, wenn du mich so unterwürfig ansiehst, aber bitte, verlier dich nicht. Geht es dir zu weit, sagst du Bescheid. Für mich musst du nichts aushalten. Ich bin froh, dich überhaupt hier zu haben.“
Sein Blick weichte auf und ein Lächeln stahl sich auf seine Lippen. „Keine Sorge, Rafe.“ Dann biss er sich leicht auf die Unterlippe, sah mich mit einer Unschuldsmiene an, die ich so noch nie von ihm gesehen hatte. „Es ist nur, naja, ich darf dich weder sehen noch anfassen? Das erscheint mir nicht sonderlich fair. Jetzt, wo ich so lange gewartet habe, mich endlich meinen Gefühlen hinzugeben?“
Ich lachte auf. „Sieh es als Teil deiner Bestrafung an.“
Jetzt legte er den Kopf in den Nacken und seufzte theatralisch. „Okay, Deal. Leg mir die Augenbinde an. Ich vertraue dir, Rafe.“
„Und ich werde dein Vertrauen nicht missbrauchen.“ Der Deckel der Box war schnell entfernt und die Augenbinde hervorgekramt. Mit sanften Fingern legte ich sie ihm an und genoss kurz den Anblick. Hilflos und hörig. Nico löste in seiner natürlichen Form schon diverse Szenarien in meinem Kopf aus. Aber so? Verdammt, würde es schwer werden ihn jemals wieder aus diesem Schlafzimmer gehen zu lassen.
Vorsichtig half ich ihm, sich hinzulegen und versicherte mich seiner Bequemlichkeit. „Du bist mit der Ampel vertraut? Für unser erstes Miteinander verzichten wir mal auf Dinge wie Knebel, okay?“
„Rot heißt stopp, gelb Achtung und grün go?“
„Richtig. Dann schieb ich mal dieses lästige T-Shirt hoch und sieh mir mal meinen Besitz an.“ Er nickte kurz, sog scharf die Luft ein, als meine Finger über seinen Bauch und seiner Brust strichen. Sein Körper war genau das, was ich wollte. Definiert, aber nicht muskulös. Jeden Zentimeter fuhr ich mit meinen Fingerkuppen ab, genoss sein entspanntes Seufzen.
Vorsichtig setzte ich mich auf seinen Schritt und bedeckte jeden Fleck, bei dem er reagiert hatte, mit einem zarten Kuss. An seinen Brustwarzen blieb ich stehen und bedachte diese mit extra viel Aufmerksamkeit. Das kleine Stöhnen, welches ich ihm entlockte, war purer Honig. Seine Hüfte versuchte sich unter mir leicht zu heben, was mich schmunzeln ließ. Da war jemand ungeduldig, aber genießend.
Ich schob mich weiter hoch, legte meine Lippen vorsichtig auf seine. Unser erster Kuss. Als ich mich von ihm sogleich löste, sah ich ein dickes Grinsen. „So was von grün.“ Da hatte jemand wohl genauso lange wie ich Sehnsucht nach den Lippen des anderen.
Drei Jahre hatten wir darauf warten müssen und jetzt, wo es endlich so weit war? Fantastisch. Erneut küsste ich ihn, um dann sanft mit meiner Zunge Einlass zu fordern. Sofort erwiderte er und es wurde leidenschaftlich. Als ich mich von ihm löste, folgte er mir ein paar Zentimeter nach oben, als wollte er mich nicht gehen lassen. Ich schmunzelte, griff in meine Box nach den Klemmen und legte ihm das kalte Metall auf den Bauch.
„Weißt du, was das ist?“ Er nickte kurz. „Auf welcher Ampelfarbe sind wir, wenn ich dir die Klemmen anlege?“
„Absolut grün, ich liebe die Dinger.“
Kurz hielt ich inne. Nico war zwar kein Kind von Traurigkeit, aber diese Reaktion überraschte mich. Und kitzelte an einer Stelle, die fast eine kleine Eifersucht anstachelte. „Ich frage mal lieber nicht, woher diese Erkenntnis kommt.“
Er lachte nur kurz auf, keuchte erschrocken, als ich sie ihm behutsam anlegte. Ein Bild für die Ewigkeit.
„Steht dir“, kommentierte ich und zog vorsichtig an einer der Klemmen, was ihn lustvoll nach Luft schnappen ließ. „Armposition noch okay?“
„Alles in Ordnung.“
Ich nickte, hackte meine Finger im Bund seiner Shorts ein und zog sie langsam nach unten, warf sie auf den Boden. Das Vorspiel hatte definitiv seine Absicht nicht verfehlt. Fuck, es war zu einladend. Planänderung.
Kapitel 5
„Nico, dein Anblick ist alles, was ich mir erträumt hatte. Und eigentlich wollte ich noch viel mehr mit dir spielen.“ Beim letzten Satz legte ich behutsam meine Hand auf seine Erektion, was ihn kurz minimal zusammenzucken ließ. „Aber ich habe das Gefühl, dass wir es beide nicht mehr lange durchhalten. Ich würde gerne nach dieser Vorspeise sofort ins Dessert übergehen, wenn du verstehst, was ich meine.“
„Mach mit mir, was du willst.“ Seine Stimme war ein elektrisiertes Hauchen, auch er hatte ein gewisses Level an Begierde erreicht.
Grinsend zog ich mir in Windeseile die Klamotten aus und streifte mir ein Kondom aus meiner Box über. Mit einem beherzten Griff hatte ich ihm aufgeholfen und auf meinem Schoss platziert. „Dann würde ich mal noch die Vorbereitung…“
„Habe ich beim Duschen schon erledigt.“ Jetzt überraschte er mich. Es juckte mich in den Fingern, in seine Augen zu schauen.
„Hast du?“
„Ja, also Rafe, ich hatte schon auf Sex gehofft, als ich in der Dusche stand.“ Er überraschte mich. Mochte er mich wirklich so sehr?
Schnell griff ich noch nach der Gleitmitteltube und schob mich dann vorsichtig und Stück für Stück in Nico. Trotz seiner Vorbereitung war er unglaublich eng.
Er sog gespannt die Luft ein, stöhnte lustvoll auf. Ich ließ ihm einen Moment, um sich an mich zu gewöhnen. Verdammt, es fühlte sie so unbeschreiblich gut an.
Mit einer freien Hand löste ich die Klemmen nach und nach, was ihm wieder wunderschöne Geräusche entlockte. Gefühlvoll massierte ich erst die eine, dann die andere Brustwarze. Dabei wimmerte er kurz und vergrub sein Gesicht in meinem Schlüsselbein.
„Gelb oder rot?“, fragte ich und hörte sofort auf.
„Nein, aber ich weiß nicht.“
Ich küsste seine Haare und streichelte über seinen Rücken. „Ist okay, ich höre damit auf.“ „Bitte Rafe, mach weiter mit dem Sex.“ Ich nickte, küsste erneut seinen Kopf und begann damit, ihn an seiner Hüfte sanft und rhythmisch auf und ab zu bewegen während ich die Bewegung ergänzte. Genussvolle Laute verließen seinen Mund und er legte leicht den Kopf in den Nacken. Plötzlich hielt er wieder inne. Sofort stoppte ich.
„Rafe, bitte, ich weiß, dass ich nichts zu melden habe, aber bitte, ich will dich berühren und sehen. Darf ich darum bitten, dass du mich losmachst?“
Ich küsste ihn auf seine Lippen. „Nico, du darfst alles mitbestimmen. Und ich denke, du bist genug bestraft.“ Vorsichtig löste ich zuerst das Seil hinter seinem Rücken und führte seine Hände sanft an seine Seite, damit sie nicht vor Taubheit unkontrolliert nach unten plumpsten.
Dann streifte ich die Augenbinde ab, er blinzelte und kniff seine Augen zusammen. Als er mir in die Augen sah, sah ich in seinem Antlitz, dass er glücklich war. Von ganzem Herzen. Er nahm mein Gesicht in seine Hände und küsste mich mit voller Leidenschaft zurück. Darauf musste er sehnlich gewartet haben.
Ich half ihm dabei, sein T-Shirt auszuziehen und er setzte mir wieder seine Lippen auf meinem Mund, nahm die rhythmischen Bewegungen wieder auf. Auch wenn ich es so unendlich genoss, näherte ich mich schneller meinem Höhepunkt als mir lieb war. Ich nahm ihn fest in meine Arme als mein Orgasmus wie eine ekstatische Welle über mich hereinbrach. Er küsste liebevoll meinen Hals und als ich mich von ihm löste, verschaffte ich auch ihm seinen Höhepunkt.
Nach getaner Aufräumarbeit zog er mich, inzwischen wieder mit einer Shorts bekleidet, in mein Bett und unter die Decken. Er platzierte sich als den kleinen Löffel, nahm meine Hand zu sich nach vorn. Sein Herz schlug immer noch schnell, was ich deutlich spüren konnte. „Rafe, das war wunderschön.“
„Ich wünschte nur, wir hätten nicht drei Jahre Zeit verloren.“
Er nickte und ich küsste seinen Nacken. „Rafe?“, fragte er leise, Unsicherheit und ein leichtes Zittern in seiner Stimme.
„Ja?“
„Dir ist bewusst, dass niemand davon erfahren darf? Wenn wir diese Liaison fortführen und vielleicht sogar irgendwann zusammenkommen, wie ein echtes Pärchen? Auch wenn ich mein Glück in die Welt schreien möchte, würden sie uns nicht gewähren lassen. Die Mafia ist nicht dafür bekannt, besonders nett gegenüber Homosexualität zu sein. Noch dazu bist du meine rechte Hand, mein Untergebener.“ Seine Stimme wurde noch leiser. „Ich will dich nicht verlieren, jetzt, wo wir endlich Farbe bekannt haben.“ Da war es, das große Aber, dass sich bereits im Wohnzimmer angekündigt hatte.
Meine Arme schlossen sich noch fester um Nico. „Ich weiß, wir werden das hier geheim halten. Treffen in Hotels, Scheinbesprechungen nach der Arbeit bei dir oder bei mir. Aber sei dir eines bewusst: Ich werde dafür sorgen, dass dich mir niemand wegnehmen wird. Egal, welches berufliche Machtgefälle außerhalb dieser vier Wände zwischen uns steht.“ Er drehte sich zu mir und lächelte mich glücklich an, obwohl seinen Augen eine gewisse Traurigkeit innewohnte. „Ich weiß. Nichts und niemand wird mich von dir fernhalten. Nicht mehr.“ Dann schmiegte er seinen Kopf an meine Brust und war schnell eingeschlafen. Ich würde diesem Mann die Welt zu Füßen legen. Und wenn die Welt nicht wollte, würde ich sie dazu zwingen.
















