Dämonenlicht
Romantasy Geschichte
Die Geschichte „Dämonenlicht“ von Nadja Krakow hat am EIS Schreibwettbewerb 2025 zu den Themen Dark Romance und Romantasy teilgenommen. Wir freuen uns darauf, die Geschichte endlich mit der Community teilen zu können!
Kapitel 1
Erschrocken kralle ich mich in die Mähne meines Pferdes, als es sich vor einem wild peitschenden Schatten aufbäumt.
Ich schreie nicht – ich habe bereits damit gerechnet.
Trotzdem pumpt mein Herz wie wild, selbst als die Stute wieder mit allen Hufen fest auf der Erde steht. Noch immer tänzelt sie und wirft ihren Kopf unruhig umher. Sie ist unerfahren. Für eine Reise ins Fürstentum der Dunkelheit hätte ich ein älteres Tier leihen sollen. Andererseits ist mir bewusst, dass Solane keine Erfahrungen sammeln wird, wenn sie nur im Stall steht.
Ich klopfe ihr auf den Hals. »Nicht wahr? Du bist mein gutes Mädchen.«
Neben mir erklingt ein Lachen.
Mit hochgezogener Braue drehe ich mich zu dem Wächter um, den ich angeheuert habe. »Was ist daran so witzig?« Er grinst widerlich – nicht nur, weil ein Stück Spinat zwischenseinen Zähnen steckt. »Eine junge, vornehme Alchemistin wie Sie wird diesen Witz wohl kaum begreifen, Fräulein Kesrine.« »Da werden Sie recht haben«, antworte ich mit einem unschuldigen Klimpern meiner Wimpern.
Innerlich bereite ich mich jedoch schon darauf vor, ihm einen meiner explosiveren Tränke an den Kopf zu werfen. Nicht nur, dass meine Zunft alles andere als vornehm ist, ich habe diesen Idioten nur engagiert, um mich auf der Reise vor übergriffigen Männern zu bewahren. Er droht allerdings der Erste zu sein, der eine Hand an mich legt. Schon letzte Nacht, als wir zusammen am Lagerfeuer gesessen haben, hatte ich das Gefühl, dass er mich zu genau mustert.
Mit einem Ruck ziehe ich Solanes Zügel an, sodass sie trotz ihrer Bedenken einige Schritte vortrabt, bis sie schließlich zurück in einen ruhigen Gang fällt. Sehr gut, wir können hier nicht stehen bleiben. Ich bin nicht erpicht darauf, meine Zeit noch länger in dieser Gesellschaft oder im Dunkelwald zu verbringen – und dunkel ist es hier wahrhaftig.
Auf dem Weg in die Hauptstadt Temnota schwindet das Licht mit jedem Meter mehr. Seit wir die Grenze des Fürstentums passiert haben, sind die Schatten lebendig wie wachsame Tentakel. Wenn wir die Stadt erreicht haben, werden sie in unseren Augen brennen und unter unsere Haut kriechen.
Als ich dieses Reich vor Jahren zum ersten Mal betreten habe, hat mich die Finsternis beinahe überwältigt. Sie wirkt, als wolle sie einen verschlingen und in bodenlose Tiefen ziehen. Doch mein Mentor hat mir damals nicht nur erklärt, dass dieses Gefühl nicht von den Schatten selbst ausginge, sondern aus uns Menschen – aus unserem instinktiven Misstrauen gegenüber dem, was wir nicht begreifen würden. Er hat mir auch gezeigt, dass die Fürsten Radan und Veles längst nicht jene Monster sind, zu denen sie in Mirava, der sogenannten neutralen Stadt, gemacht werden.
Seit Jahren regt sich dort Widerstand gegen die Vorherrschaft der Dämonen, aber keine von ihnen werden mit solcher Inbrunst gehasst wie die der Schatten. Während die meisten Menschen die Fürsten von Licht, Wasser oder Erde weiterhin verehren, wächst ihre Abneigung gegen die anderen Elemente, allen voran die Dunkelheit. Dabei ignorieren sie, dass es hier – wie in jedem Fürstentum– zwei Herrscher gibt. Wo Schutz ist, lauert auch Gefahr. Wo Leben blüht, wartet der Tod nicht weit. Dualität ist die Grundlage unserer Welt und gegen sie zu verstoßen, ist Hochverrat.
Das Klimpern der Trankflaschen in meiner Satteltasche, als Solane ein weiteres Mal tänzelnd und wiehernd einem Schatten aus weicht, klingt wie eine Bestätigung in meinen Ohren.
»Wenn Sie wollen, werde ich die Lichttränke nehmen, Fräulein«, bietet sich mein Begleiter an. »Mein Rappe ist nicht so furchtsam wie Ihr ›gutes Mädchen‹.«
»Nein danke«, sage ich knapp.
Bei dem, was dieser Mann ausstrahlt, traue ich ihm zu, die Flaschen mit Sonnenbrannt zu zerschlagen, nur um einen Punkt zusetzen. Wenn die Dämonenfürsten das destillierte Licht nicht rechtzeitig erhalten, wird aus ihnen genau das, was die Menschen in ihnen sehen wollen: triebgesteuerte Geister, die alles tun, um Vollkommenheit zu erlangen. So wie jeder andere Dämon auch. Erst seit wir diesen ewigen Kampf der gegensätzlichen Elemente, die sich verschlungen haben, vor hundert Jahren durch die Alchemie hinter uns lassen konnten, herrscht Frieden.
Sicher werde ich diesem Mistkerl an meiner Seite nicht die Möglichkeit bieten, durch seine Idiotie alles erneut in Stücke zu reißen. Ich gebe den Zügeln einen Ruck und treibe Solane in einen schnellen Trab.
Kapitel 2
Die Laternen vor dem Herrenhaus strahlen mattes Glutlicht aus. Selbst die Magie von Feuerdämonen kommt kaum gegen die Kraft der Schatten an – zumindest nicht in ihrem eigenen Reich.
Doch meine Augen haben sich in den letzten Stunden an die Dunkelheit gewöhnt. Zudem kenne ich das Kopfsteinpflaster, das von den Ställen zur Eingangstür führt, inzwischen gut genug. Seit meinem achtzehnten Lebensjahr überbringe ich den Fürsten zwei mal im Jahr persönlich ihren Sonnenbrannt – sechs Jahre später könnte ich den Weg im Schlaf gehen.
Mein Wächter hingegen stolpert hinter mir. »Verfickte Scheiße!«
»Dem Pöbel ist der Zutritt nicht gestattet«, erklingt eine Stimme von überall und nirgendwo.
»Bei Luminors Eiern!«
Ich kann mir das Lachen über den Fluch des ›Pöbels‹ nicht verkneifen. Genau dieses Verhalten meinte der Kammerherr der Fürsten: Sie hassen vulgäre Sprache und primitive Umgangsformen. Und vielleicht habe ich den Mistkerl gerade deshalb nicht gewarnt, dass wir aus den Schatten beobachtet werden.
Schwarzer Rauch streicht um meine Beine, bis er sich vor mir zur leicht vornübergebeugten Gestalt eines alten Mannes formt. Kurze Hörner wachsen aus seiner Stirn, über die graues Haar fällt. Er öffnet die Tür. »Willkommen, Fräulein Kesrine. Sie werden bereits erwartet.«
Als mein Wächter Anstalten macht, mir zu folgen, winden sich Schatten um seine Brust.
Der Kammerherr knurrt. »Sie. Nicht.«
Lächelnd schultere ich die Tasche neu. Die Flaschen darin schlagen leise gegeneinander. Dann betrete ich allein das Herrenhaus. Ohne stehen zu bleiben oder auf den Bediensteten zu warten, wende ich mich nach rechts. Kurz fällt mein Blick dabei auf den Spiegel in der großen Eingangshalle. Ich sehe müde aus, was meiner ständigen Wachsamkeit geschuldet sein muss. Mein blondes Haar wirkt stumpf von der Reise, selbst in dem langen Flechtzopf hat es gelitten. Im Gasthaus werde ich mich diesmal allerdings besser nicht waschen…
Tief in meinen Gedanken über den widerlichen Kerl versunken, zu dem ich gleich zurückkehren muss, stoppt mich plötzlich ein Speer. Er liegt quer vor der Tür zur Audienzhalle und blockiert den Durchgang – nicht als Angriff, sondern als klare Botschaft.
Der Gardist, der die Waffe hält, hebt eine Braue. »Auch wenn Sie erwartet werden, Sie kennen die Etikette.« Noch während ich nicke, holt mich der Kammerherr ein. Er richtet sein Jackett, der Gardist macht ihm den Weg frei, dann tritt er in den Saal. Doch statt mich wie gewohnt anzukündigen, eilt er zu den beiden Männern, die gelangweilt auf ausladenden dunkelroten Samtsesseln sitzen.
Wie immer stockt mir bei ihrem Anblick der Atem. Ihre Präsenz liegt schwer in der Luft, dicht und berauschend wie hochprozentiger Alkohol.
Bevor der Kammerherr die Fürsten erreicht hat, schaut Veles von seinem Buch auf. Nur so viel, wie er muss. Berechnend genau, ohne Überfluss. Er hat es nicht nötig, mit irgendetwas zu prahlen. Sicher, alle Dämonen sind schön, aber er … ist königlich. Allein diese langen, nach hinten gebogenen Hörner, denen seine schwarzen Haare zu folgen scheinen, strahlen pure Eleganz aus. Auch seine feinen Züge, die gerade Nase, der aufrechte Sitz, einfach alles an ihm ist makellos. Doch seine eisblauen Augen sind es, die mich wahrhaft in ihren Bann ziehen und wegen denen ich mich nicht rühren kann.
Bis ich die Hitze von Radans bernsteinfarbenem Blick auf mir spüre. Ich ignoriere das Prickeln meiner Haut, als ich mich zu ihm drehe. Mit jedem Wort, das der Kammerherr ihm zuflüstert, heben sich die Adern an seinem Hals dunkler hervor, sodass ich diese selbst unter seinem schulterlangen, leicht gelockten Haar erkennen kann. Er presst die breiten Kiefer zusammen und legt den Kopf schief, sodass die Ringe, die seine kräftigen Hörner zieren, hell gegeneinander klirren.
»Mirella Kesrin«, ergreift Veles plötzlich das Wort. Die Kälte, mit der er meinen Namen ausspricht, fährt mir unter die Haut und stellt jedes Härchen an meinem Körper auf. Ich genieße diesen Klang. »Pünktlich wie immer.«
Ich falle in einen Knicks. »Natürlich, Euer Gnaden. Wie gewünscht bringe ich Euch ein Dutzend Flaschen–«
»Erhebe dich«, knurrt Radan.
Mein Herz setzt einen Schlag aus. Jedes Mal, wenn er mich anspricht, klingt er rau – heute jedoch ganz besonders. Ich tue, was er verlangt, und sehe ihn sorgenvoll an. Mein Puls beginnt zu rasen. Etwas, das ich nicht deuten kann, huscht durch Veles’ Züge. Es ist zu schnell verschwunden, um mir sicher zu sein, es wirklich gesehen zu haben.
Mit einer beiläufigen Bewegung seiner Hand verscheucht Radanden Kammerherr. Dann lehnt er sich im Sessel zurück, überschlägt die Beine und mustert mich kritisch. »Du hast schon besser aus gesehen.«
Ich blinzle perplex und spüre Trotz in mir aufsteigen. Um ihm keine Antwort zu geben, die nicht unhöflich wäre, beiße ich mir auf die Unterlippe und nicke.
Radans Mundwinkel zuckt kaum merklich. »Wenn du den Saal verlässt, gibst du unserem Gardisten deine Tasche.« »Selbstverständlich, Euer Gnaden.«
»Radan.« Veles’ Stimme klingt so gefährlich wie splitterndes Eis. Was auch immer er sagen will, wird von Radans erhobenem Zeigefinger unterbunden. »Unser Kammerherr wird dir dein Zimmer zeigen.«
Kapitel 3
Ich starre an die dunkle Decke meines Zimmers. Mein Körper signalisiert mir, wie müde er ist – besonders seitdem ich nach einem ausgiebigen, nach Freesien duftenden Bad im Bett liege. Die Matratze ist weich, die Decke flauschig, beides so viel mehr, als ich gewohnt bin. Dennoch kann ich nicht schlafen. Mein Kopf ist hell wach.
Immer wieder denke ich daran, dass ich in all den Jahren nie in diesem Herrenhaus geschlafen habe. Nein, ich habe noch nicht ein mal davon geträumt, es je zu tun.
Doch jetzt bin ich hier. In der Nähe der Fürsten, die sich immer wieder in meine Gedanken drängen, wenn ich die Augen schließe …so wie sie es nach jedem meiner Besuche hier tun.
Ich drehe mich zur Seite.
Wieso durfte ich dieses Mal bleiben? Was sollte dieser Blick bedeuten, den die beiden gewechselt haben? Und was wollte Veles sagen, bevor Radan ihn unterbrochen hat? W–
Ein Geräusch lässt mich in meinen Überlegungen innehalten. Die geschäftigen Diener sind schon vor einiger Zeit ins Bett gegangen. Nur vereinzelt habe ich Schritte, knarrende Dielen oder Türengehört. Doch das … ist anders. Eine Stimme. Oder zwei. Sie sind leise, trotzdem erkenne ich sie.
Radan und Veles, die vor meinem Zimmer entlanggehen und sich wieder entfernen.
Ich sollte nicht lauschen.
Dennoch will ich wissen, worüber sie sprechen. Vielleicht bekomme ich eine Antwort auf meine Fragen und kann endlich schlafen …
Hin- und hergerissen wälze ich mich von einer Seite auf die andere – bis ich kurz entschlossen die Bettdecke zurückschlage und aufstehe. Weder meine nackten Füße noch das von den Hausmädchen bereitgelegte kurze Negligé aus Seide machen ein Geräusch, als ich mich aus meinem Zimmer schleiche.
Vorsichtig gehe ich in die Richtung, aus der die Stimmenkommen. Für einen Moment werden sie lauter – ich glaube, meinen Namen zu hören – doch dann senken sie sich wieder. Glas klirrt gegeneinander. Trotzdem halte ich nicht inne. Selbst, als aus den gedämpften Worten unruhiges Keuchen wird.
Ich gelange an eine breite Flügeltür, deren eine Hälfte offensteht. Das Licht, das auf der anderen Seite brennt, ist kaum heller als das in den Fluren. Aber sie müssen hier sein, ich höre sie immer deutlicher. Ein Knall, dann stöhnt einer von beiden, als hätte er sich verletzt.
Mein Herzschlag beschleunigt sich. Was, wenn sie handgreiflich sind?
Aber es ist zu spät, um umzukehren.
Kapitel 4
Als ich den Raum betrete, erkenne ich meterhohe Regale, die sich in der Dunkelheit verlieren. Das ist eine Bibliothek, natürlich. Voller Nischen, in die sie sich für eine Diskussion zurückziehen können. Mir hingegen bieten sie Schutz, um mich den Fürsten ungesehen zu nähern.
Ich biege in einen Gang ein, nehme eine Ecke, dann eine weitere – und trete augenblicklich einen Schritt zurück. Mein Rücken stößt gegen ein Regal. Doch keiner der Fürsten bemerkt mich. Beide sind vertieft in etwas, das Hochverrat an der Dualität der Reiche dar stellt.
Dennoch kann ich meinen Blick nicht von Radan abwenden, der Veles mit harten Stößen nimmt. Sein Körper bewegt sich präzise, als wäre das hier kein Kontrollverlust, sondern eine klare Entscheidung. Sein aufgerissenes Hemd und die Hose, die ihm bis zu den muskulösen Waden gerutscht ist, sagen etwas anderes. Die Ringe an seinen Hörnern schlagen in dem getriebenen Rhythmus aneinander, mit dem er Veles Stück für Stück tiefer in das Sofa zwingt, auf dem dieser kniet. Seine Kleidung hängt nur noch an ihm. Das Hemd halb vom Körper gerissen, die Hose bis zu den Oberschenkeln heruntergeschoben, trotzdem strahlt er ungebrochene Eleganz aus. Selbst, als Radan seinen Schwanz umfasst und er aufstöhnt.
Sein Laut fährt wie ein dumpfer Schlag in meinen Unterleib. Ich sollte wirklich gehen.
Die beiden allein lassen.
Doch mein Körper verrät mich. Mit jedem weiteren Stoß, den Veles in sich aufnimmt, werde ich feuchter. Erregt presse ich meine Schenkel zusammen und schlage eine Hand vor meinen Mund, um meine flachen Atemzüge zu verbergen.
Veles’ Kopf fällt vor. Sofort packt Radan ihn an den Hörnern und zieht ihn zurück. »Noch nicht.«
»Nicht deine Entscheidung«, knurrt Veles. Er legt die Hand auf Radans und erhöht das Tempo. Feuchter Glanz tritt auf seine Finger.
Ebenso wie auf meine, als ich nicht anders kann, als sie unter mein Nachthemd und in mein Höschen zu schieben. Ich streiche über meine Klitoris, in exakt dem Rhythmus, den die Männer gewählt haben. Ich keuche stumm. Meine Knie zittern. Es reicht nicht.
Ich dringe in mich ein. Stelle mir vor, dass es einer von ihnen wäre, der mich nimmt und diese Leere füllt, um die sich meine Muskeln spannen. Ich unter Veles, während Radan ihn in mich stößt.
Kapitel 5
Ein Korken ploppt.
Erst als Radan ihn ausspuckt, bemerke ich den Sonnenbrannt, der neben den Fürsten auf einem Tischchen steht. Er setzt die Flasche an die Lippen und kippt ihn hinunter, als wäre es Wasser. Goldenes Licht läuft seine Kehle hinab. Sein Adamsapfel tanzt mit jedem Schluck.
Ich wünschte, er würde von mir trinken.
»Gib mir einen Schluck.« Veles stöhnt auf. Drückt seinen Hintern gegen Radan, bevor er sich auf den Knien aufrichtet, um sich umzudrehen. Mitten in der Bewegung hält er inne.
Ich gefriere unter seinem Blick.
Ein Lächeln macht sich auf seinen Zügen breit. Es ist wunder schön – und zu gefährlich. Seine blauen Augen fixieren meine, während Radan weiter in ihn stößt. Hart, getrieben, ohne etwas von mir zu ahnen. Veles löst seine Hand von seinem Schwanz. Langsam– so unverschämt langsam – führt Veles sie an seinen Mund und saugt seine Finger sauber.
Ein Kloß bildet sich in meiner Kehle.
»Willst du mich schmecken?«
Ich kann ihm nicht antworten.
Meine Beine tun es.
Veles verfolgt jede meiner Bewegungen. »Lass deine Hand, wo sie ist«, sagt er rau, als er sieht, dass ich sie aus mir zurückziehen will. »Wir mögen, was du damit tust, Mirella.«
»Mirella?« Radan lacht auf. Jetzt hat auch er mich bemerkt. Feuer tritt in seine bernsteinfarbenen Iriden. »Du wolltest nicht, dass sie hier ist, Veles.«
»Aus genau diesem Grund«, antwortet er ruhig. »Jetzt ist es zu spät. Sie hat bereits alles gesehen. Da kann sie auch mitmachen, nicht wahr?«
Stattetwas zu erwidern, sinke ich vor Veles auf die Knie. Er streicht mir über die Wange. Radan löst seine Faust von ihm. Nur noch Daumen und Zeigefinger liegen an Veles’ hartem Schwanz, den er vor mir positioniert.
Ich öffne den Mund, lecke darüber – und erschaudere. Ein neuer Schwall Feuchtigkeit trifft mein bereits durchnässtes Höschen, als ich Veles auf meiner Zunge schmecke. Salzig und dunkel, wie bittere Schokolade. Genau so, wie er riecht. Verboten gut. Ich senke den Kopf über ihm und nehme ihn in mir auf, bis er an meine Grenzen stößt.
Ein lautes Stöhnen verlässt Veles’ Lippen.
Es streicht über meine Haut wie ein eisiger Hauch. Meine Brustwarzen richten sich auf, meine Finger fahren erneut um meine Klitoris, während ich meinen Kopf schneller bewege.
Veles’ Hände gleiten in mein Haar. Er will etwas sagen, doch Radan packt ihn fester und setzt ihm die Flasche an den Mund. »Trink«, raunt er.
Und Veles gehorcht. Auf jeden gierigen Schluck folgt ein harter Stoß von Radan, der Veles tiefer in meinen Mund treibt. Der Sonnenbrannt beginnt, unter seiner Haut zu glühen. Der Druck in meinem Unterleib ist kurz davor, mich zu zerreißen.
Plötzlich fällt die Flasche klirrend zu Boden.
Radans Bewegungen stoppen abrupt. Er verschwimmt zu Schatten. Veles reißt mich von sich los und zieht mich hoch. Erschrocken will ich nach Luft schnappen – doch seine Lippen liegen bereits auf meinen.
Er küsst mich.
Nein, er nimmt mich in Besitz, öffnet die Lippen – und mit seiner Zunge findet auch süßer, dicker Sonnenbrannt Einlass in meinen Mund. Flüssiges Licht rinnt meinen Rachen hinab, füllt mich von innen, bis mir von der Wärme schwindelig wird. Ich kralle mich mit einer Hand an Veles’ Schulter, während er sanft an meinen Haaren zieht.
Einen Herzschlag später packen glühende Finger meine Hüfte. Mit einem Ruck werde ich nach hinten gerissen, etwas Hartes presst sich zwischen meine Beine. Heißer Atem streift mein Ohr. Ein kaltes Horn berührt meine Schläfe. Der Duft von Zedernholz hüllt mich ein.
»Ich hätte dich eher hierbehalten sollen, Sonnenstrahl.« Radan hat sich hinter mir materialisiert! Seine Stimme ist so rau, dass sie über meinen Körper fährt. Meine Finger zittern und werden schneller, reiben härter an meiner Klitoris. »Genau so. Gib uns alles.«
Ich stürze über die Klippe. Bebend ziehen sich meine Muskeln zusammen, Dunkelheit vernebelt meinen Blick, während Radan und Veles mich halten. So lange, bis mein Orgasmus abebbt und ich mich schwer atmend aus dem Kuss löse.
Kapitel 6
Ein dunkles Knurren entsteigt Radans Kehle. Ehe ich schreien kann, verschlingen mich Schatten. Mein Körper verliert jede Form. Einen Herzschlag später wird er neu geboren und schlägt zusammen mit Radan auf das Sofa. Mein Rücken prallt gegen seine Brust, mein Hintern in seinen Schoß. Ich keuche auf.
»Sieh sie dir an«, brummt Veles, der uns von oben herab betrachtet.
Selbst seine kalten Augen können die Hitze nicht löschen, die der Anblick seines majestätischen Körpers in mir auslöst. Seine muskulöse Brust hebt sich in den gleichen, schweren Atemzügen wie meine.
Er kniet sich vor uns. Hauchzart streicht er über den Seidenstoff des Negligés. Wie eine Feder gleitet er an meiner Brust hinab zu meinen Rippen, über meinen Bauch, bis zu meinen Schenkeln. Ich erzittere, als seine Finger sich in meine nackte Haut graben. Ich gebe dem Druck nach und öffne meine Beine.
Veles zieht scharf die Luft ein. »Zu schön. Zu kostbar für dreckige Menschen wie diesen Wächter. Sie ist Licht.«
»Und Licht muss geteilt werden«, haucht Radan hinter mir. Ich höre, wie er nach einer weiteren Flasche Sonnenbrannt greift. Doch mein Blick klebt auf Veles, der seine Finger unter den Bundmeines Höschens schiebt. Ich erwarte einen Ruck, aber sein Zug, mit dem er es mir auszieht, ist kontrollierte Erhabenheit. Ein wildes Pochen tritt zwischen meine Schenkel.
Ich stöhne, als Veles’ Zunge meine Klitoris berührt.
»Du schmeckst besser als Sonnenbrannt. So viel reiner«, brummt er, bevor er ein weiteres Mal über mich leckt und mich zwischen seine Lippen saugt.
»Mehr.« Meine Stimme zittert vor Lust.
Radan lacht amüsiert auf. »Nur wenn du uns auch mehr schenkst, Sonnenstrahl.«
Die Seide reißt unter Radans Ungeduld und scharfen Schatten klauen, die nur einen Wimpernschlag später als weiche Finger an meiner Brust liegen. Ich taste nach hinten und packe eins seiner Hörner, um ihn enger an mich zu ziehen.
Warme Flüssigkeit trifft mich genau dort, wo Radan seine Lippen an meinen Hals legt. Sonnenbrannt läuft meine Haut hinab. Radans Zunge leckt darüber, doch viel mehr des Lichts rinnt über mein Schlüsselbein. Ein warmer Fluss, der sich zwischen meinen Brüsten ergießt, einen See in meinem Bauchnabel bildet, bis er meine Mitte erreicht.
Veles hebt den Blick. Ich sehe ihn kaum hinter dem Leuchten, das sich über meinen Körper erstreckt. »Du bist vollkommen. Strahlend. Du kannst das.«
Ich spüre Radan zucken. Ich will ihn. Ich will Veles. Beide. »Bitte.«
Radan packt meine Hüfte und hebt mich an. Veles umfasst seinen Schwanz, reibt ihn durch die Flüssigkeit, die in dicken Tropfen meinen Hintern hinabgleitet. Dann spüre ich seine Spitze zwischen meinen Pobacken.
Ich halte die Luft an.
Langsam dringt Radan in mich ein. Millimeter für Millimeter, er gibt mir Zeit, mich an ihn zu gewöhnen.
Veles steht auf. Er beugt sich über mich, streicht mir über die Schenkel und den Bauch. »Das machst du gut, Sonnenstrahl. Heiße die Dunkelheit willkommen.«
Mein Atem löst sich wieder, mein Herzschlag jedoch folgt keinem Rhythmus mehr. Ich stöhne zusammen mit Radan, als er mich ganz erfüllt.
Doch er bewegt sich nicht.
Ich hebe mein Becken.
»Du bist so gierig. Aber bist du auch bereit?«
»Ja, gib …« Meine Worte verklingen in einem langen Keuchen, als Veles seinen Schwanz über meine Klitoris gleiten lässt. Wieder und wieder, bis er sich fordernd an mich drückt. Meine Muskelnspannen sich. Ich wimmere. »Jetzt.«
Mit einem kräftigen Stoß dringt er in mich ein. Radan knurrt, Veles stöhnt, und ich bäume mich unter dem stummen Lustschrei, der nicht über meine zitternden Lippen kommt.
Es gibt kein Halten mehr. Die dominante Sinnlichkeit verschwimmt zu einem fordernden Rhythmus, der beide Männer treibt. Ähnlich wie zu dem Zeitpunkt, an dem ich sie vorgefunden habe. Nur dass ich in ihrer Mitte bin.
»Sonnenstrahl«, keucht Radan, bevor er meinen Kopf packt und mich in einen Kuss zieht.
Unsere Zungen umkreisen einander.
Veles’ Zähne knabbern an meinem Ohrläppchen.
Ich streiche über seinen Rücken.
Händeziehen an meinem Haar.
Haut schlägt gegen Haut.
Atem vermischt sich.
Ich weiß nicht mehr, wo ich aufhöre und die Fürsten beginnen. Immer wieder wechseln wir Küsse, sie, ich, miteinander und mit mir. Ich stöhne ihre Namen, verlange nach mehr, während sie sich in mir verlieren.
Meine Zehenspitzen beginnen zu kribbeln, meine Finger werden taub. Ich ziehe an Veles’ Hörnern, was ihn zu tieferen Stößen treibt. Radan greift nach dessen Hintern und steigert das Tempo. Er stöhnt. »Komm.«
Egal wen er meint – mich oder Veles – wir beide folgen seinem Befehl. Heißes Sperma füllt mich. Schatten tanzen vor meinen Augen. Mein Körper bebt unter meinem und Veles’ Orgasmus.
Mit einem letzten, tiefen Stoß findet auch Radan Erlösung. Ich fühle, wie er mich füllt.
Nie war ich vollkommener.
Kapitel 7
Anspannung weicht aus mir, und ich sinke erschöpft auf Radans Brust. Veles bettet schwer atmend seinen Kopf an meine Halsbeuge. Ich fühle unser aller Herzen schlagen. Erst schnell, dann immer langsamer. Bis wir drohen, uns auf ganz andere Art zu verlieren.
Ich will mich bewegen, doch Veles’ kalte Augen halten mich auf. »Schäme dich nicht.«
»Nein,aber …«
»Kein ›Aber‹«, widerspricht Radan allem, was ich anbringen könnte – und doch nicht tue. Er zupft an einer meiner Haarsträhnen. »Du bist ein Sonnenstrahl, Mirella.« »Ich bin ein Mensch.«
»Eine Sonnen-Alchemistin«, sagt Veles, als müsste ich wissen, was er meint. Ein wunderschönes Lächeln erwärmt seine feinen Züge, als ich ihn nur anblinzele. »Du trägst selbst Licht in dir. Mehr als das, was du beim Brauen der Tränke aufnimmst. Nur reine, strahlende Seelen können die Sonne in Flaschen bannen.«
»Und du, Sonnenstrahl, bist die reinste, die wir je gesehen haben. Von dir zu kosten war … mehr, als ich erwartet habe.« Radans Finger wandern meine Seite hinab und hinterlassen eine Gänsehaut.
Veles zieht sich aus mir zurück. Etwas Unerklärliches legt sich in seinen Blick. »Du bist frei, zu gehen und der Welt zu erzählen, was du gesehen hast.«
Das ›Aber‹, welches er nicht sagt, schwebt laut hörbar in der Luft.
Es ist nicht die Bitte, es nicht zu tun. Sondern die, zu bleiben. Sie mit meinem Licht ganz zu machen. Dualität.
Ich streiche über Veles’ Oberarm. »Meine Tränke gehören euch längst.« Ich hole tief Luft. »Genau wie ich.« Als sich ihre Hände auf mich legen, weiß ich, dass sie mich nie wieder loslassen werden. Und ich will es nichtanders.















