The Frozen Embers
Romantasy Geschichte
Die Geschichte „The Frozen Embers “ von Lena Hoff hat am EIS Schreibwettbewerb 2025 zu den Themen Dark Romance und Romantasy teilgenommen. Wir freuen uns darauf, die Geschichte endlich mit der Community teilen zu können!
Triggerwarnung: In der Geschichte geht es um Krieg, Kampfhandlungen und Tot. Wenn diese Themen nichts für Dich sind, lies lieber bei einer anderen erotischen Geschichte weiter.
Kapitel 1
»Fuck!«, zischte ich mit rauer Stimme, als ich meinen Weg durch das flammende Portal von Elathar bahnte. Das Blut tropfte von meiner Handfläche, wie warmer Sommerregen und hinterließ einen unschönen dunkelroten Fleck am steinernen Boden unter mir. Ich brauchte einige Minuten, bis sich meine Augen an die düstere, pechschwarze Umgebung gewöhnt und auf etwas weniger Erschütterndes, als die Leichen unter mir gerichtet hatten. Mit den Zähnen an meinem Ärmel, riss ich ein großes Stück des Stoffes ab und band es mir um meine linke Hand, die ich gerade mit einem meiner Dolche aus schwarzen Obisdian bearbeitet hatte. Dass ich das Portal nicht anders hätte öffnen können, war mir so sehr bewusst gewesen, wie mein Geburtsrecht auf den Feuerthron – schmerzhaft, aber unumgänglich.
Ich stieg über die Leichen unter mir hinweg, als wären sie Fremde, Mittel zum Zweck und als würde es mich nicht bewegen. Ich schluckte den Kloß in meinem Hals hinunter und wischte mir die salzigen Tränen von meinen, mit Staub und Dreck, bedeckten Wangen. Mit Entschlossenheit griff ich zu meinen auf meinem Rücken, in Leder gebundenen, Langschwertern. Das Beben über mir wurde zu Gewitter und der Boden unter mir musste jede Sekunde nachgeben.
Die Fackeln im schmalen Gang vor mir erzitterten und bebten im Takt der Kanonenschüsse. Meine Angst kroch so tief in meinem Nacken empor, dass ich dachte, mein sonst so hitziger und von Flammen eingenommener Körper, würde erstarren und zu Stein werden. Mein Magen krampfte und es würde nur wenige Augenblicke dauern, bis ich Galle spucken würde. Der Gestank zu meinen Füßen, das modrige Blut und die Feuchte, die hier unten in den Gewölben lag, machten dies nur noch unerträglicher.
Stufe für Stufe stieg ich den schmalen Gang entlang. Eine Fackel nach der anderen erleuchtete und je tiefer ich stieg, desto dumpfer wurden die Schreie, das Getobe und das Knallen über mir. Wenn ich mich nicht beeilen würde, würde Elathar fallen, tausende meines Volkes sterben, in Flammen aufgehen und ich würde als die Eidbrecherin des Feuerthrons zurückbleiben. Neria die Verbrannte würden sie mich nennen.
Dabei war ich doch Neria, die Gesegnete von Elathar. Die Sprengerin des Feuermeers. Die Königin, die aus der Asche auferstand. Und Neria, Tochter von Katharyna, Bezwingerin von Eis und Feuer.
Ich würde hier unten nicht sterben.
Am Ende des schmalen Ganges erhaschte ich einen Blick auf die letzte Zelle, aus der eisige Funken sprühten. Ich erschauderte.
Nach 36 Jahren würde ich ihm wieder gegenüberstehen. Dem Verräter von Elathar, dem Verstoßenen, der Unheil über unser Volk brachte.
Die Liebe meines Lebens. Taj Venrick.
Mein Herz pulsierte mir bis zum Hals und schien sich im Galopp zu überschlagen. Meine Schritte schienen langsamer zu werden und von Zelle zu Zelle, zu meiner linken und zu meiner rechten, machte mein Herz einen Satz. Die Kuriositäten, Ungetüme und Monster, die hier unten eingesperrt waren, griffen mit ihren verstümmelten, verknorpelten und unansehnlichen Händen nach mir. Flehten nach mir. Riefen meinen Namen. Doch mein Blick war nur auf die eisigen Funken, die aus der letzten Zelle kamen, gerichtet. Und je näher ich kam, desto kühler und enger empfand ich die Luft in meiner Lunge. Was würde er wohl sagen, wenn er in meine glühenden Augen, nach all dieser Zeit blicken würde? Und was wäre das Erste, was ich erwidern würde?
Die Dunkelheit umhüllte uns und die Kuriositäten der Unterwelt mit einer erdrückenden Bedrohlichkeit, wie ich sie schon lange nicht mehr gespürt hatte. Doch es war Krieg. Wann sollte sich jemals etwas bedrohlicher anfühlen?
Kapitel 2
Meine Schritte machten vor seiner Zelle Halt und ohne einen Blick hineinzuwagen, steckte ich die beiden Langschwerter mit der hübschen goldenen Verzierung zurück in die ledernden Scheiden auf meinem Rücken. Der Gurt drohte mir den Brustkorb zu zerdrücken.
Taj Venrick kauerte mit dem Rücken zu mir auf seinen Knien. Aus seiner rechten Hand zischten eisige Blitze und erhellten seine in Schwarz getauchte Zelle, die nach Abwasser und Kanal roch, mit einem Eisblau. Der ganze Raum stand in Flammen und je näher ich trat, desto stärker durchfuhr mich das Bedürfnis, ihn hinterrücks mit meinem Dolch, der in meinem rechten Stiefel steckte, zu durchbohren. Wie sehr ich ihn verabscheute, ließ sich nicht in Worte fassen.
Doch ich tat, was mir von der großen Mutter auferlegt wurde, und schmolz die Gitterstäbe mit der kräftigen Flamme, die von meinen Fingerspitzen ausging. Der Stahl gab unter meiner Berührung nach und löste das Gitternetz, wie ein in Flammen stehendes Spinnennetz, auf. Jeder Schritt auf ihn zu, fühlte sich an, als würde ich durch das dichteste Moor wandern.
»Ich hätte dich lieber tot gesehen, als dich hier unten wiederzufinden«, sprudelte es mit Hass aus mir hinaus.
»Dann hättest du wohl endlich das bekommen, was du wolltest.« Seine Stimme versetze mir einen Stich in meinem tiefsten Inneren und ließ die Wunde, die er damals in Nacht und Nebel hinterlassen hatte, blutig aufklaffen.
Ich beugte mich vor ihn und blickte in seine müden, gar trüben Augen. Sein Blick versteinert, hart und zu Boden gerichtet. Wie die große Mutter mir aufgetragen hatte, legte ich ihm meine beiden Hände auf und ließ meinen Flammenbrand in ihn hineinströmen.
Seine von Eis gezeichnete Haut befreite sich Stück für Stück von Eis. Sein schulterlanges Haar nahm eine Hälfte in schwarz, die andere Hälfte in silber an. Letztendlich richtete sich sein Blick auf mich und ich schreckte vor seinem widerlichen, wunderschönen Anblick zurück. Er war keinen Tag gealtert und noch immer lag ein verschmitztes Lächeln auf seinen Lippen.
»Du weißt, warum ich hier bin?«, unterbrach ich die quälende Stille, die Hände noch immer auf seinen Schultern verharrend.
Sein Blick glitt zur Zellendecke hinauf, dann zu meinen Lippen und letztendlich zurück zu meinen Augen. Es war, als würden sich unsere Blicke miteinander verankern und für einen Moment lang spürte ich das alte kribbelnde Gefühl in meiner Magengrube, wo vorher nur Abscheu und Magensaft sich tummelten.
»Es mag sein, dass ich zwar einige Jahre hier unten verbracht habe. Mein Geist ist jedoch immer noch derselbe.« Er zog sich an mir herauf und stand nun wie ein Fels inmitten des Raumes. Sein, unter dem Hemd freiliegender, muskulöser Oberkörper ragte über mir und ich hatte Mühe seinem Blick standzuhalten.
»Gut, dann lass uns gehen«, unterbrach ich meine Gedanken, packte ihn am Oberarm, den ich mit meinen zierlichen Händen, kaum zu greifen bekam und drückte ihm einen meiner Dolche in die Hand, während ich ihm forsch zu verstehen gab: »Wir haben schließlich einen Krieg zu gewinnen, den du begonnen hast.«
Kapitel 3
Wir bahnten uns einen Weg durch die Dunkelheit, die Waffen gezückt und die Augen weit offen, gerichtet auf mögliche feindliche Angreifer. Doch der wahre Krieg tobte ununterbrochen über uns. Die Schreie wurden dumpfer, je tiefer wir abstiegen.
Diese Unterwelt ließ keinen Raum für Licht, keinen Raum für Leben, keinen Raum für Zuversicht. Doch es war Taj, der mich hoffen ließ. Ohne ihn würden wir, so ungern ich es auch zuzugeben versuchte, kläglich scheitern. Ich würde kläglich scheitern.
»Wo ist der nächste Raum, wo wir uns den Lageplan genauer ansehen können?«, fragte ich ihn gehetzt. Ich wollte das Alles so schnell wie möglich hinter mich bringen. Den Krieg, die Unterwelt und Taj.
»Den brauchen wir nicht, ich weiß wo wir hin müssen«, gab mir Taj zu verstehen und zog mich am Arm die Treppen hinauf. Am Ende dieser blieb ich stehen und entriss ihm meinen Arm.
»Und warum sollte ich dir vertrauen?« Ich war schon einmal von ihm getäuscht worden. Er hatte uns verraten, sich auf die Seite des Feindes gestellt und hatte alles, was ihm lieb und heilig gewesen war, zurückgelassen, nur, um einen Funken Einfluss erhaschen zu können. Mich.
»Wenn du mir nicht vertraust, Ria, dann können wir das direkt bleiben lassen.« Er schien sichtlich unbeeindruckt von meiner Sturheit, aber ich war es, die vor dem Spitznamen, den er, nur er, mir gegeben hatte, zurückschrak. So hatte mich keiner mehr, seit... 36 Jahren genannt.
»Die Hörner auf deinem Kopf hast du nicht umsonst, was? Immer durch die Wand. Dickköpfig wie eh und je.«
»Du kennst mich doch gar nicht.« Ich verschränkte die Arme vor meiner Brust und funkelte ihn an. In dem fahlen Licht wirkte sein Gesicht noch schöner. Fast perfekt. Ich schüttelte den Kopf um den Gedanken loszuwerden. Das war nicht der Grund, weshalb ich gekommen war.
»Ach nein?«, er kam drei langsame Schritte auf mich zu und kam nur wenige Zentimeter vor mir zum Stehen. Er beugte sich ein Stück hinunter, um mir besser in die Augen sehen zu können. »Ich glaube, dass du keine Wahl hast. Entweder du vertraust mir oder dein gesamtes Volk, einschließlich dir stirbt. Du hast die Wahl.«
»Unser Volk«, gab ich ihm zu verstehen und kam ihm noch näher.
»Ist es denn überhaupt noch mein Volk, nachdem, was ich getan habe?« »Es ist unser Volk, wenn du mir hilfst, diesen Arsch von Atherion in den Hintern zu treten. Dann sollen dir all’ deine Sünden vergeben sein. Ein Leben für ein Leben.«
Er hatte mein Wort. Das Volk würde ihm vergeben, wenn er Atherions Einmarsch und Einnahme des Königreichs von Elathar mit mir verhindern würde.
»Und wirst du mir vergeben?«, seine Lippen waren nur noch wenige Augenblicke von meinen entfernt. Ich konnte seinen warmen Atem spüren, wie er jeden Zentimeter meines Mundes liebkoste. Ich hielt inne, wich nicht zurück, hielt seinem fragenden und zugleich eisigen Blick stand.
»Ich will nicht die Vergebung des Volkes. Was ich will, ist es bei Tage neben dir zu sitzen, dir in dein wunderschönes Antlitz blicken zu dürfen, deine weichen Hände in meine zu verschränken, dich über die Felder von Elathar zu jagen, um dich anschließend auf dem weichen Gras zu küssen, während du kicherst. Und bei Nacht dein Bett zu teilen, jeden Millimeter deiner Haut zu huldigen, dir mit meinen groben Händen durch die Haare fahren, dich bei den Hörner packen und dich meinen Namen schreien hören, wenn du kommst. Ich will deine Vergebung.«
Ich schluckte. Das, was er offenbarte und in mir weckte, waren Erinnerungen, die so weit weg schienen, als stammten sie aus einem anderen Leben.
»Das sind ganz schön viele Wünsche für einen Verräter.«
»Das sind die sehnlichsten Wünschen des Mannes, der dich immer noch liebt.« Ich schnaubte.
»Mit Ehrlichkeit hast du es vor 36 Jahren aber nicht ganz so genau genommen.« Mit einer flinken Bewegung duckte ich mich an ihm vorbei und trampelte davon, ließ ihn stehen. Wie konnte er nur von Ehrlichkeit sprechen, wenn er uns und alles, an was wir geglaubt hatten vor vielen Jahren verraten hatte.
Seine Seele hatte er an Atherion verkauft, sich der Schattenflur angeschlossen, war ein Teil der Unterwelt geworden. Er packte mich mit einem fest entschlossenen Griff am Oberarm und zog mich in die nächste schmale Gasse in der ganz und gare Finsterkeit herrschte. Ich hatte Mühe seine Augen in dem Schwarz zu finden. Er drückte mir seine mit Schwielen überzogene Hand auf den Mund und gab mir mit einem Finger vor Seinem zu verstehen, dass ich keinen Laut hervorbringen sollte.
Von Osten näherte sich ein ganzer Trupp Soldaten, die an unserer dunklen Gasse vorbeizogen. Ihre Stiefel auf dem groben Steinboden erschütterten das Gleichgewicht im ganzen Raum. Taj drückte mich noch näher an die Wand und hüllte mich in einen Nebel aus Eis ein. Alles, was ich spürte, war die Härte und Wärme seiner Arme, die mich umgaben.
Der Geruch von Tod und Leid zog an uns vorbei und als die Truppe sich entfernte, gab Taj mich aus dem Druck seiner Umarmung frei.
»Ich dachte, wenn ich mich Ihnen anschließen würde, könnte ich sie von innen heraus zerstören. Könnte unser Königreich retten, ohne dich in Gefahr zu bringen. Es tut mir leid, dass ich kläglich versagt habe und dich in dem Glauben gelassen habe, dich und alles, was wir uns aufgebaut haben, verraten zu haben.« Er lehnte sich an die gegenüberliegende Wand und verzog das Gesicht, als würde es ihm Schmerzen bereiten, diese Worte zu auszusprechen.
Ich schluckte schwer und griff mir instinktiv an den Hals, der mir dermaßen von seinen Worten zugeschnürt wurde.
Über unsere Verbindung, die nur noch am seidenen Faden hing, konnte ich spüren, dass er tatsächlich die Wahrheit sprach. 36 Jahre war ich in dem Glauben gewesen, er hätte sich auf Feindesseite geschlagen. Und doch konnte ich ihm im Hier und Jetzt nicht vergeben. Die Mission hatte Vorrang und ich musste mich schnellstmöglich besinnen. Für Gefühle hatten wir auch noch später Zeit.
»Lass uns das später klären. Wir müssen weiter, Taj.«
»Vertraust du mir?«, fragte er und reichte mir seine Hand.
»Mir bleibt keine Wahl«, und ich ergriff sie.
Kapitel 4
Taj zog mich abertausende Gänge hinter sich her, immer tiefer in den Berg, der über uns lag. Wir stiegen über weitere Leichen und über weitere Blutlachen, die Atherion hinterlassen hatte.
Taj’s Hände setzten eine ungeahnte Wärme frei, als wir das Herz der Unterwelt erreichten.
Die schwere, vergoldete Eisentür, eingelassen in den Felsen, erdrückte uns mit seiner Pracht. Sie würde sich nur durch ein Opfer öffnen lassen, sodass wir beide unser Blut geben mussten.
Mit dem Dolch, den ich Taj gegeben hatte, schnitten wir uns beide in unsere Handinnenflächen und drückten sie gemeinsam gegen den schweren Knauf der mit Dornen besetzten Tür, die mit einem Rucken und Knarzen sich schwerfällig öffnete.
Der Raum schien zu atmen. Hier waren kein Wind und kein Echo zu hören, nur der langsame, dumpfe Puls, als hätte Atherion selbst ein Herz. Schiefergraue Säulen ragten wie blutbesudelte Rippen aus dem Boden, schimmernd im trüben, fahlen Morgenlicht, das durch die obere Kuppel schien. Endlich Tageslicht. Zwischen Ihnen zogen sich Risse durch den bröselnden Stein, erschüttert von den Kanonenstößen.
In der Mitte lag es. Das Herzstück von Atherion. Unbewacht und engelsgleich. Jedes Pochen spürte ich, als würde mein eigenes Herz versuchen, im gleichen Takt zu schlagen. Wir zwangen uns weiterzugehen. Der Boden vibrierte noch immer unter meinen Stiefeln. Taj war nur wenige Schritte hinter mir und ich spürte seine Gegenwart, wie eine frostige, dünne Schicht auf meiner Haut, die mit jeder Bewegung meiner Hitze begegnete.
»Das ist es«, gab er mir zu verstehen. Seine Stimme war so ruhig, voller Ehrfurcht. »Wenn wir es zerstören, dann brechen die Risse. Atherion wird in Schutt und Asche liegen.« Ich nickte, aber in meiner Magengrube lag ein Gewicht, das sich nicht lösen wollte. Die Hitze in meiner Brust stieg wieder auf, unkontrollierbar und verzehrend. Taj drehte sich nach mir um und war in wenigen Schritten bei mir.
»Du überhitzt«, murmelte er aufgeregt. In seiner Stimme lag nur nüchterne Erkenntnis.
»Deine Temperatur steigt, weil das Gleichgewicht hier nach anderen Regeln spielt. Lass mich«, seine Hände griffen nach meinem Gesicht.
»Ich brauche keine...«
»Doch«, sein eiskalter Blick traf meinen.
Mit seiner eiskalten Hand fand er meinen Nacken, kalt wie Winternebel. Mein Feuer zischte so laut, als hätte jemand Öl in die Flammen gegossen. Der Kontrast war zu stark und viel zu vertraut. Ein Schauer rann über meinen Rücken.
»Wenn du so in den Kampf gehst, verglühst du womöglich, bevor wir überhaupt den Schmelzpunkt erreichen, Ria«, sagte er, während er seine Magie vorsichtig und tastend durch meine Haut gleiten ließ.
Ich schloss die Augen und versuchte den Rhythmus meines Atems zu finden. Die Luft knisterte zwischen uns und Funken aus Eis und Feuer sprühten um uns herum. »Ich vergesse jedes Mal, wie kalt du bist«, flüsterte ich.
»Und ich, wie heiß du bist.«
Nur ein kurzer elektrisierender Blick und dann lagen seine Lippen auf meinen. Es war ein Zusammenfallen beider Kräfte. Feuer traf auf Eis. Ich war wie elektrisiert. Meine Hände gruben sich in sein welliges Haar und zogen ihn noch näher.
Ich wollte ihn. Ich wollte, dass er mich mit all seiner Kraft an die Wand nagelte. Doch stattdessen küsste er mich innig, ließ sich Zeit und schob seine Zunge tief in mich und keuchte.
Ich wollte ihn. Hier, sofort und jetzt.
Ich streckte eine Hand aus und griff nach seinem beschmutzten Hemd. Doch er machte es mir leicht und zog es sich selbst über den Kopf. Seine Brust war makellos. Er betrachtete mich von Kopf bis Fuß und schenkte mir ein süffisantes, zufriedenes Lächeln, während ich mich weiter an seinem Hosenstall zu schaffen machte. Die Stiefel hatte ich bereits in die letzte Ecke geschleudert.
Er sagte kein Wort, als er mir mein Kleid vom Körper riss.
Er drückte seinen Mund auf meine Lippen, schob seine Zunge erneut tief in mich hinein und taumelte mir leicht entgegen. Seine Hose fiel zu Boden und seine samtige Härte pochte gegen meinen Bauch.
Ich fuhr mit meinen Fingern über seine muskulösen Schultern, über jede Wölbung seiner Brust, die sich heftig hob und senkte, fuhr mit ihnen über jeden Muskel, über jede Narbe, über jedes Muttermal und ließ dabei nicht von ihm ab. Er schmeckte so gut.
Ich schlang meine Beine um ihn und er hob mich vorsichtig an den Schenkeln ein Stück höher. Harter Stein zeichnete sich in meinem Rücken ab.
Alle Zurückhaltung war vergessen, als er unaufhaltsam an meinem Eingang pochte. Die Flammen züngelten und tänzelten um uns herum und etwaige Eissplitter lagen auf dem Boden. So kannte ich uns.
Ich konnte nicht mehr denken und mein Atem ging nur noch stoßweise. Er keuchte mir ins Ohr.
Für einen kurzen Moment hielt er inne, blickte mir tief in die Augen und versenkte sich dann ganz zärtlich mit einem Mal in mir. Ich stöhnte auf und er schien das Bild zu genießen, denn er starrte mich an.
»Ich vergebe dir«, hauchte ich an seinem Ohr.
Er stöhnte auf.
Langsam zog sich Taj zurück und stieß dann ebenso langsam wieder zu. »Sag es bitte noch einmal«, keuchte er an meinem Ohr. Es klang beinahe flehend. »Ich vergebe dir, Taj«, keuchte ich.
Und noch einmal. Tiefer. Schneller. Unaufhaltsam.
Meine Hüften kreisten um seinen Schoß, meine Hände fuhren über seinen Nacken, hinab über seinen Rücken und hielten ihn an seiner Hüfte fest. Jeder Stoß war wie ein Feuerwerk.
Wieder zog er sich zurück, dann stieß er erneut zu.
Und noch einmal. Diesmal härter. Wilder.
Er war mein Geliebter, mein Wegbegleiter, mein Freund auf Abwegen und mein König.
»Ich vergebe dir«, stöhnte ich in seinen Nacken, als er mir ein Lichtermeer bescherte. Ich explodierte dicht an ihn gepresst, schweigebadet, feucht und von seinen Küssen bedeckt.
Die Berge erzitterten über uns.
Er stieß fester und noch tiefer in mich hinein und mit einem lauten Stöhnen und meinem Namen in seinem Mund kam Taj zur Explosion.
Tausend Feuerranken zogen sich an den Wänden empor, tausende Eiskristalle ragten von der Decke und mittendrin im Gewirr aus Eis und Feuer standen wir. Splitterfasernackt und zufrieden.
Stille legte sich sanft über uns, begleitet von senkenden und sich hebenden Brustkörben.
Ich nahm sein schwitziges Gesicht in meine Hände, sodass sich unsere Blicke trafen und lächelte ihn an, sodass unsere Verbindung leuchtend zwischen uns strahlte. Was eben noch am seidenen Faden hing, war nun aus Stahl geschmiedet.
Er lachte auf und legte meine zarte Hand auf seine von Schweiß eingenommene Brust.
Mein Blut geriet erneut in Wallung, doch ich löste mich von ihm. Doch er war schneller und zog mich mit einer einzigen Bewegung in seine starken Arme. »Sag es nochmal«, hauchte er mir auf meinen Haaransatz.
»Ich vergebe dir, Taj Venrick.« Zufrieden knurrte er und entlockte mir damit ein überaus breites Lächeln.
Kapitel 5
Ein donnernder Schlag durchfuhr unseren Leib und rüttelte uns wach. Mein Blick zur Glaskuppel verriet mir, dass wir den Truppen von Atherion nicht mehr lange Stand halten konnten.
Ich packte meine Kleidung und streifte mir mein Kleid über. Taj band sich seine Lederhose und eilte zum Herzen von Atherion. Ein mächtiges Beben ließ mich in die Knie gehen. Ich griff nach meinen Waffen, zog sie aus der Scheide und rappelte mich wieder auf.
Ich sah Knochen verbrennen und Soldaten zerbersten. Schreie zerrissen die Luft. Und direkt vor meinen Augen, nur ein paar Meter entfernt, befand sich das Herz von Atherion, bereit für seine Zerstörung. Der Raum erzitterte, als würde er wissen, was wir vorhatten.
Taj griff meine Hand und zog mich näher heran. Das Herz schlug in seinem Altar aus onyxfarbenen Stein, langsam und dumpf, wie unsere vereinten Herzen. Taj stand mir gegenüber und seine Augen leuchteten in diesem kalten, unwirklichen Tageslicht fast silbern. Er sah so ruhig aus.
»Wir müssen uns gleichzeitig entladen, so brechen wir die Barrieren.«
Und würden die Ketten sprengen, die Elathar gefangen hielten. Bald würde das Königreich wieder hell leuchten und aufgehen, wie die Morgensonne am Horizont. Ein winziges Lächeln huschte über seine Lippen, bitter diesmal. Etwas darin bereitete mir Sorgen. Ich wollte ihn fragen, was er dachte, doch da begann das Herz zu reagieren. Der onyxfarbene Stein glühte von inneren heraus und riss Linien in die Säulen, die diesen Raum trugen. Aus ihren schien Licht in die Dunkelheit. Es war, als hätte es unsere Absicht gespürt.
»Jetzt!«, schrie ich, und Flammen stürzten aus mir hervor. Goldrot und lebendig verschlungen sie das Herz und forderten seinen Niedergang.
Meine Kraft wurde im Augenblick eines Wimpernschlages zerrissen, als würde das Herz mich verspeisen. Taj antwortete mit scharfem, blauem Frost.
Für einen Moment schien alles im Gleichgewicht zu liegen.
Dann spürte ich, dass etwas nicht stimmte. Seine Energie floss nicht nur in das Herz. Sie floss in mich.
»Taj, was tust du da?« Meine Stimme klang verzerrt und weit entfernt. Er stand reglos vor mir, die Hände geöffnet, Licht tanzte zwischen seinen Fingern. »Ich entlade mich. Damit du lebst.«
»Nein!« Ich wollte zu ihm eilen aber das Licht war zu laut, zu grell. Das Herz zog mich zu sich, wie ein dunkler Strudel aus Vernichtung.
Ich spürte seinen Frost in meinen Adern, seinen bebenden Atem in meiner Brust. Das Herz von Atherion schrie und die Truppen, die sich nun um uns versammelt hatten, um uns aufzuhalten, gingen vor Schmerz auf die Knie.
Er lächelte, nur für mich.
»Du warst mein Feuer, Ria. Brenn für mich weiter.«
Stille.
Ein Licht, so grell, dass selbst mein Feuer daran zu zerbrechen begann. Und dann nichts, als Stille.
Etwas riss, irgendwo tief in mir. Die Wunde, die er mit seinen Küssen geflickt hatte, war aufgerissen und blutete unaufhörlich. Mir wurde schwarz vor Augen und ich kippte auf den harten Steinboden.
Stille.
Kapitel 6
Mit dem Geschmack von Asche auf der Zunge erwachte ich. Mein Körper fühlte sich anders an, beinahe fremd. Ich fühlte mich schwer, leer. Als hätte man mich neu zusammengesetzt und dabei ein Stück vergessen.
Licht fiel durch die hohen bunten Fenster meines Gemaches. Weiches, silbriges Licht.
Ich brauchte einen Moment, um zu begreifen, dass ich wieder Zuhause war. In Elathar. Wir hatten den Krieg gewonnen. Taj und Ich hatten es geschafft. Taj.
Bei seinem Namen durchzuckte mich ein seltener, spitzer Schmerz. Wie eine durchbohrende Eisspitze inmitten meines Herzens.
Ein Laut drang an meine müden Ohren, gedämpft und äußerst besorgt. Heiler. Sie hatten sich um mich versammelt und starrten mich mit erwartungsvollen Blicken an. Einer davon war Bron. Sein in Sonne getauchtes Gesicht musterte mich. »Wir sind froh, dass ihr wohlauf seid, Mylady. Wir waren zutiefst besorgt.« Sie verbeugten sich. Einer nach dem anderen.
»Elathar?«, fragte ich besorgt.
»Ihr habt es geschafft. Wir sind frei.« Ich atmete erleichtert auf.
Ich zwang meine Beine über die Bettkante, meine Muskeln zitterten unter der Last. Das kalte Pflaster unter meinen nackten Füßen ließ mich erschaudern, aber ich ging weiter, bis ich die schwere Balkontüre erreichte.
Kälte schlug mir entgegen und vor mir lag das Reich. Unser Reich. Und es war – in weiß gehüllt.
Schnee. Überall.
Mir brach etwas in der Brust. Keine Wunde, kein Schmerz – nur dieses leise Begreifen.
Er war fort und doch war er da.
Tränen liefen mir über die Wangen und dampften leicht, als sie meine Haut streiften. Ich lachte. Ganz leise und nur ein bisschen.
»Du konntest nie einfach nur gehen, oder?«, flüsterte ich in die kalte Schneelandschaft hinaus.
Eine Windböe fuhr mir durch mein pechschwarzes Haar, kalt und weich, als würde sie mir antworten. Und für einen Herzschlag dachte ich, seine Stimme hören zu können. »Finde mich im nächsten Leben, Taj Venrick und ich werde dir noch hundert Mal vergeben.« Mit eisigen Tränen in meinen Augen legte ich mir eine Hand auf die Brust, wo sein Name geschrieben stand.
Im nächsten Leben, schwor ich.















