Glückskekse und andere Verbrechen
Dark Romance Geschichte
Die Geschichte „Glückskekse und andere Verbrechen“ von Lea Paan hat am EIS Schreibwettbewerb 2025 zu den Themen Dark Romance und Romantasy teilgenommen. Wir freuen uns darauf, die Geschichte endlich mit der Community teilen zu können!
Triggerwarnung: Diese Geschichte enthält Darstellungen eines Banküberfalls, Bedrohung mit Waffen, kriminelle Handlungen sowie explizite sexuelle Inhalte und riskante Begegnungen zwischen Fremden. Wenn diese Themen für Dich belastend sein könnten, lies lieber bei einer anderen erotischen Geschichte weiter.
Kapitel 1
Das Schicksal mischt die Karten, aber du spielst.
Seufzend werfe ich den Zettel in den Papierkorb und esse den Glückskeks. Der Geschmack nach Pappe und Süßungsmittel zergeht auf meiner Zunge und ich werfe ungeduldig einen Blick auf die Uhr. Halb sieben.
»Freust dich wohl schon auf den Feierabend, was?«
Ein Schauer läuft mir über den Rücken.
Der Kerl, der an Gregs Laptop sitzt, hebt nur kurz den Kopf, um mich anzusehen. Alles, was er von seinem Gesicht preisgibt, sind Augen, die in dem grellen Licht der Leuchtstoffröhren, funkeln. Sein Blick ist zu ruhig. Als hätte er das hier schon hundertmal gemacht. Oder nie. Seine Oberarmmuskeln spannen den schwarzen Pullover auf ein gefährliches Maximum, während er die Finger über die Tastatur sausen lässt. Warum um alles in der Welt reagiert mein Körper mit einem elektrisierenden Kribbeln auf diesen Anblick?
»Weniger reden, mehr arbeiten«, bellt der Typ an der Tür und richtet seine Pistole von mir auf den Kerl am PC – der inoffiziell Caliente heißt. Das war zumindest das Erste, was mein Hirn ausgespuckt hat, als ich ihn gesehen habe. Offiziell kenne ich seinen Namen nicht.
»Stell dir vor, es gibt Menschen, die gleichzeitig Arbeiten und Reden können«, erwidert Caliente und ich verfluche mich dafür, dass meine Mundwinkel zu einem Lächeln ansetzen. »Ich weiß, das muss sehr überraschend für dich sein, doch es ist die Wahrheit.« Die Sturmmaske, die sein Gesicht bedeckt, hebt sich an den Wangen.
Wie sein Lächeln wohl aussieht?
Der andere Kerl – ihn habe ich Arschloch getauft – gibt ein Brummen von sich, ehe er wieder auf mich zielt. Und ja, bei seiner Namensgebung war ich unkreativ. Aber er ist nun mal ein Arschloch. Seit sie die Bank, bei der ich arbeite, vor acht Minuten gestürmt haben, war er nicht ein Mal freundlich. Nicht, dass ich das von einem Bankräuber erwarte.
Jane und ich sind zu dieser Zeit allein in dem Gebäude und wir waren von Anfang an hilfsbereit. Zwei der Angreifer haben meine Arbeitskollegin in den Keller geführt, wo sich die Schließfächer befinden. Mich hingegen haben sie in das Büro unseres Chefs mitgenommen. Sie haben mich nicht nach einem Passwort oder ähnlichem gefragt. Caliente hat sich an den Laptop gesetzt und fröhlich drauf los getippt. Mir blieb keine Zeit, den Stillen Alarm zu betätigen. Doch wenn unsere Security pünktlich ist, sind es nur noch fünfzehn Minuten, bis er ankommt und diese Idioten in den Knast bringt.
Ich ziehe einen zweiten Glückskeks aus der Tasche meines Kleides und reiße die Verpackung auf.
»Isst du die Teile so lange, bis du einen guten Spruch findest?« Caliente drückt den Laptop ein Stück herunter und beobachtet, wie ich den Keks zerbreche und den Zettel in den Papierkorb werfe.
»Ihr habt mich in meiner Mittagspause gestört«, erwidere ich nüchtern und kaue ausgiebig auf dem Keks herum.
»Und für solche Fälle hast du immer einen Jahresvorrat Glückskekse dabei?« Die Belustigung in seiner Stimme, kann man trotz des Stimmverzehrers heraushören.
So lässig wie möglich, zucke ich mit den Schultern. »War gestern beim Chinesen und habe mir vorsorglich eine Handvoll eingepackt.«
»Jetzt haltet verdammt noch mal die Fresse«, mischt Arschloch sich ein und fuchtelt mit seiner Knarre herum. Vermutlich will er mir damit Angst machen. Zu seinem Pech weiß er nicht, dass ich genug Egoshooter gespielt habe, um zu wissen, wie ich ihn entwaffne. Na ja, zumindest rede ich mir das ein. Meine Panik ist mit dem ersten Glückskekszettel im Müll gelandet. Was für Typen rauben eine Bank aus und lassen ihre Geisel auf dem Boden sitzend ein halbes Dutzend Glückskekse futtern?
In meinem Beruf ist es üblich, dass wir auf solche Fälle vorbereitet werden. Regel Nummer eins, die man uns beibringt: Gerate nicht in Panik und verhalte dich ruhig, bis Verstärkung eingetroffen ist. Leider ist das auch nicht der erste Überfall, den ich miterlebe. Bevor ich aufs Land gezogen bin und in dieser Filiale angefangen habe, habe ich in der renommiertesten Bank im ganzen Staat gearbeitet. Dort wurde häufiger eingebrochen, als manche ihre Unterwäsche wechseln. Ist es erbärmlich, dass dieser Abend das Spannendste ist, das mir seit dem Umzug passiert ist?
»Bin drin.« Caliente klappt den Laptop zu und ich muss ein Kichern unterdrücken.
Diesen Kerl würde ich auch reinlassen.
Arschloch zieht ein Funkgerät aus seiner Lederjacke und drückt einen Knopf. »Die Schließfächer sind offen. Ihr habt drei Minuten«, informiert er seine Mitstreiter und steckt das Funkgerät zurück. »Wir gehen zum Wagen. Hast du alle Spuren verwischt?«
»Keiner wird es auf uns zurückverfolgen können.« Die Rollen des Bürostuhls schlittern über den Teppich und Caliente springt auf. »Was machen wir mit ihr?« Sein undurchsichtiger Blick geht zu mir.
»Mitnehmen.« Hände legen sich um meinen Arm und jetzt zischt doch Panik in meinen Adern. Sie sind zu schnell. Die Security kommt erst in dreizehn Minuten. Arschloch zieht mich auf die Beine und ich weiche sofort einen Schritt zurück.
»Ich warne dich. Ein Schritt weiter und ich ramme dir mein Knie in die Eier«, drohe ich und sehe mit verengten Augen zu ihm auf.
Davon unbeeindruckt kommt er näher.
»Keine Geiseln haben wir gesagt«, erinnert Caliente und stellt sich dicht neben mich. Der Pullover ist noch angespannter als eben.
»Wenn die Cops uns verfolgen, brauchen wir ein Druckmit…« Das Rauschen des Funkgerätes unterbricht ihn.
»Wir brauchen hier Hilfe. Die Frau ist ohnmächtig geworden.«
Flüche – die ich nicht näher benennen möchte – rollen über Arschlochs Zunge, als würde er einen Rapsong einstudieren.
Ehe er antworten kann, trete ich vor. »Wenn ihr Jane auch nur ein Haar krümmt, dann schwöre ich euch: Ich mach euch die verdammte Hölle heiß!«
Die Maske hebt sich über einem seiner Augen, dann schleudert er mich zur Seite. »Pack sie ein, wir treffen uns am Wagen.«
Ich stolpere zwei Schritte, ehe mein Kopf gegen eine breite Brust knallt. Mit einem schweren Schlucken sehe ich nach oben. Direkt in ozeanblaue Augen.
»Wag es dich, mich anzufassen«, fauche ich und weiche von ihm zurück. »Meine Drohung an deinen Freund gilt auch für dich.«
Er kommt auf mich zu und ich gehe automatisch rückwärts. »Das glaube ich dir gerne. Leider ha…«
»Schon mal mit einer Latina zutun gehabt?«, frage ich und keuche, als mein Rücken gegen die Wand prallt. »Ich verspeise Männer wie dich zum Frühstück und gönne mir dann noch einen Nachtisch.«
Ist das ein amüsiertes Funkeln in seinen Augen? »Zu schade, dass es Abend ist. Von dir würde ich mich bereitwillig verspeisen lassen.«
Versucht dieser Kerl, mit mir zu flirten?
»Ich meine es …« Die Stimme bleibt mir in der Kehle stecken. Caliente kommt so nahe, dass sein Atem über meine Lippen zieht. Das Licht der Leuchtstoffröhre wird von seinem Körper verdeckt und ich gehe in seinem Schatten unter.
»Auch wenn ich willensstarke Frauen bewundere, muss ich dich bitten, mitzukommen. Wenn du kooperierst, werden sie dich am Leben lassen.«
»Und wenn ich nicht kooperiere?«
Das amüsierte Funkeln in seinen Augen verschwindet und leider reicht mir das als Antwort.
Kapitel 2
Mit aufeinandergepressten Zähnen folge ich ihm aus dem Raum. Die Flure, die wir passieren, sind mir nur zu gut bekannt, doch im Moment wirken die weißen Wände und nichtssagenden Gemälde wie ein verzerrtes Bild. Mein eigener Herzschlag pocht in meinen Ohren, überlagert den dumpfen Hall unserer Schritte. Ehe wir zum Hintereingang abbiegen, sehe ich zu den Mitarbeiterräumen. Meine Tasche mitsamt meinem Smartphone und den Autoschlüsseln liegt auf einem Stuhl. Direkt daneben kauert Jane auf dem Boden. Bis auf die Atembewegungen, die ihre Brust anheben, rührt sie sich nicht. Aber sie lebt. Und die Räuber haben sie in Ruhe gelassen. Das ist alles, was zählt.
Caliente stößt die Tür auf und der eiskalte Wind verursacht umgehend eine Gänsehaut auf meinen Beinen und Armen. Ich wusste, dass es eine schlechte Idee war, im Dezember ein Kleid anzuziehen. Nun ja, heute Morgen konnte ich weder damit rechnen, dass diese Typen aufkreuzen, noch damit, dass es den ganzen Tag schneit. Es ist bereits dunkel und nur das spärliche Licht der Laternen auf der Hauptstraße hüllt die Nebengasse in ein schwaches Orange. Nach wenigen Schritten erreichen wir einen Transporter, zwei der Räuber laden Sporttaschen auf die Ladefläche, der andere sitzt auf dem Fahrersitz. Der Motor läuft.
»Hast du alles?«, fragt einer der Kerle, schleudert die letzte Tasche ins Auto und dreht sich zu uns um. Sein Blick fliegt nur über mich, als wäre eine Geiselnahme etwas vollkommen Normales und keine Straftat. Aber was erwarte ich?
Ich zucke zusammen, als Caliente eine Hand auf meine Schulter legt. Scheiße, es würde für ihn vermutlich ein Kinderspiel sein, mich zu erwürgen.
Obwohl sein Griff eh schon erschreckend fest ist, erhöht er den Druck. Er lässt von mir ab, geht einen Schritt vor und zieht eine Tasche von der Schulter. Schwungvoller als nötig wirft er sie zum Auto. Genau in die Magengrube seines Freundes. Dieser Stolpert und prallt gegen seinen anderen Kollegen.
»Tut mir leid, ich wollte …« Der Rest von Calientes Worten geht im zischenden Wind unter.
So schnell, wie meine Beine es zulassen, renne ich auf die Straße. Die Bankfiliale musste Jane von innen verschließen und der Hinterausgang ist ein Fluchtweg, der sich von außen nicht öffnen lässt. Schnee peitscht mir ins Gesicht und mit diesen verdammten Pumps rutsche ich über den Boden, wie Bambi auf Eis. Lautes Geklapper verrät mir, dass ich Verfolger habe und ich überlege nicht lange, ehe ich meine Schuhe im Rennen ausziehe und barfuß durch den Schnee eile.
Schlitternd biege ich auf die Hauptstraße ab. Die Laternen werfen kleine Lichtinseln auf die parkenden Autos. Doch keine Menschenseele ist zu sehen. Noch nie habe ich meinen Chef mehr dafür verflucht, dass wir zwischen den Feiertagen arbeiten müssen. Die Schaufensterbeleuchtung in den Läden ist ausgeschaltet und nach dreihundert Metern habe ich das Ende unseres Dorfes erreicht. Ein Blick über die Schulter reicht aus, um mich davon zu überzeugen, weiter in den Wald zu rennen. Steine und Stöcke bohren sich in meine Fußsohlen, während sich meine Kehle immer weiter zuschnürt.
Kapitel 3
Es ist stockfinster. Ich bin gerannt, bis ich nicht mehr wusste, wo vorne und hinten ist. Was würde ich nur für einen Tee tun? Und Wärme. Diese verdam…
Mein Körper stellt jegliche Regung ein, als direkt vor mir ein grelles Licht aufleuchtet. Es blendet mich so dermaßen, dass meine Augen tränen. Doch ich stehe wie ein erstarrtes Reh da und blinzle zu dem Auto, das einen Meter vor mir zum Stehen kommt.
Bitte sag mir, dass das kein Traum ist. Dass ich nicht auf dem Boden zusammengeklappt bin und in Wahrheit einen Erfrierungstod erleide.
Die Tür geht auf und sobald eine Gestalt ins Licht tritt, wird mir klar, dass es kein Traum ist.
»Sieht ziemlich kalt aus«, bemerkt Caliente, als würde er Smalltalk betreiben wollen. Der Schnee knirscht unter seinen Schuhen.
Immer noch bewegungsunfähig schnappe ich nach Luft, als er vor mir stehen bleibt. Eine wohltuende Wärme geht von ihm aus und ich muss jeden Funken Willenskraft aufbringen, mich nicht zu ihm vorzubeugen.
»Komm, ich bring dich zu deinem Auto.« Er streckt einen Arm nach mir aus und endlich schaffe ich es, mich wieder zu bewegen. Gut, es ist nur ein Kopfschütteln. Aber eine Bewegung. Sofort zieht er seine Hand zurück und schiebt sie in die Bauchtasche seines Pullovers. »Du bist seit über einer Stunde hier draußen. Es hat ewig gedauert, bis ich dich gefunden habe. Du musst halb erfroren sein.«
»Mir geht’s gut«, bringe ich stocksteif hervor und presse meine Zähne aufeinander, um sie vom Klappern abzuhalten.
»Du bist eine erstaunlich schlechte Lügnerin.« Seine Wangen heben die Maske an. Schatten bedecken die Hälfte seines Gesichtes und leider ruft das den Wunsch nur noch mehr hervor, zu sehen, was sich unter dem Stoff befindet. Was stimmt nicht mit mir?
»Ich habe nicht vor, dir etwas anzutun.« Er zögert, ehe er die Maske abstreift und mein Herz den Turbo einschaltet. Schwarze Strähnen fallen ihm ins Gesicht. Die markanten Kieferknochen sind von einem leichten Bartschatten bedeckt. »Du kannst mich durchsuchen. Ich habe keine Waffen.« Seine Stimme fährt bis unter meine Haut. Sie wird nicht mehr von dem Stimmverzerrer beeinflusst und erinnert an die, eines Hörbuchsprechers. Einen von den Hörbüchern, von denen man feuchte Träume bekommt. Er streckt beide Arme über den Kopf, der Pullover wird angehoben und gibt die Sicht auf … Verdammt, ich sollte nicht auf seine Bauchmuskeln starren.
Widerwillig recke ich mein Kinn und überwinde die letzte Distanz zwischen uns. Doch ehe ich ihn berühre, halte ich inne. »Nur zu deiner Info: Ich kann Karate.«
»Sexy« Ein schelmisches Grinsen zieht über seine geschwungenen Lippen und leider muss ich zugeben, dass sein Kommentar genau darauf zutrifft. Würde ich diesen Mann in einer Bar treffen und er mich so ansehen … Allein bei dem Gedanken härten sich meine Brustwarzen vor Sehnsucht.
Hört verdammt noch mal damit auf, Hormone!
Natürlich tun sie das nicht und kaum habe ich meine Hände auf seine Brust gelegt, schicken sie noch mehr falsche Signale in unangebrachte Körperregionen. Ich greife in seine Bauchtasche. Sie ist leer und auch am Hosenbund kann ich keine Waffen finden. Um seine Jeans zu durchsuchen, gehe ich in die Hocke und … oh, verdammt. Mein Mund ist Zentimeter von seinem Schritt entfernt. Und so, wie der Stoff sich wölbt … Scheiße, macht ihn das etwa an?
Dass ich mir unterbewusst über die Lippen lecke, bemerke ich erst, als der Wind wie Hagel darauf peitscht. Schwerschluckend lasse ich meine Hände über seine Hosentaschen und schließlich zu den Schuhen wandern.
»Und irgendwelche Waffen gefunden?«
Keine, die ich dir abnehmen könnte.
Mit einem Kopfschütteln stehe ich wieder auf. »Bist du allein? Oder wartet darinnen jemand auf mich?« Ich deute auf das Auto.
Ein schiefes Lächeln zieht über seine geschwungenen Lippen. »Du meinst außer der Leiche in meinem Kofferraum?«
Jap, ich schaffe es tatsächlich, mich an meinem eigenen Speichel zu verschlucken. Und sobald er ein Lachen von sich gibt, hasse ich mich selbst dafür, dass es mich ansteckt.
»Du kannst nachsehen. Es niemand da«, erklärt er mit ruhiger Stimme und ich mache auf dem Absatz kehrt, um es zu überprüfen. Mag sein, dass er mir geholfen hat zu fliehen, jedoch hat er vor nicht mal zwei Stunden eine Bank ausgeraubt.
Meine Füße sind bereits taub, während ich um das Auto herumgehe und in jedes Fenster spähe. Bis auf einer Laptoptasche und einer Winterjacke, ist die Rückbank leer. Es benötigt drei Anläufe, bis ich den Kofferraum aufbekomme. Ebenfalls leer. Und hat dieser Kerl sein Auto ausgesaugt? Aus diesem Kofferraum könnte man essen. Es ist mindestens drei Monate her, dass ich meinen Wagen sauber gemacht habe. Vielleicht sollte ich Caliente fragen, ob er seinen Staubsauger auch mal in meinen Kofferraum schieben kann. Mist, das ruft falsche Bilder hervor. Ganz falsche Bilder. Raus mit euch aus meinem Kopf!
Mich schüttelnd gehe ich zu der Beifahrertür.
»Bist du zufrieden?« Caliente hat einen Unterarm auf das Autodach abgestützt und sieht mich darüber hinweg an.
»Ich bin schwer zufrieden zu stellen«, gebe ich zurück und greife nach dem Türgriff.
Eine seiner Brauen steigt in die Höhe, während er mich mustert. Und der Ausdruck in seinen Augen verschlingt mich beinahe.
Kapitel 4
Da meine Knie drohen, unter mir wegzuklappen, steige ich in das Auto. Der Motor läuft und … »Hast du die Sitzheizung angemacht?«, frage ich, sobald er sitzt.
»Wie schon gesagt, du warst ewig im Schnee unterwegs.« Er zieht die Tür zu und sieht durch den Rückspiegel. Die Schaltung klackt, dann fährt er los.
Im Radio läuft irgendein Radiosender und es braucht mehrere Lieder, bis ich wieder einen klaren Gedanken fassen kann. Es ist ein modernes Auto mit einem großen Navi – die Adresse der Bankfiliale ist eingegeben – und in der Mittelkonsole liegt ein Foto.
»Du hast ‘ne hübsche Frau.« Zögerlich greife ich nach dem Bild. Darauf ist er zu sehen und eine Blondine, um die er seinen Arm gelegt hat.
»Zu hübsch«, schnaubt er. »Seit dem Kindergarten muss ich die Verehrer von ihr fernhalten.«
Irritiert sehe ich zu ihm auf.
Er setzt schon wieder dieses unwiderstehliche Lächeln auf und tippt auf das Foto. »Lissy ist meine Schwester.«
»Oh.« Ich senke das Bild. »Also keine Frau?« Warum frage ich das? Es sollte mich nicht interessieren. Und noch viel wichtiger: Warum breitet sich ein nervöses Kribbeln in meinem Bauch aus?
»Keine Frau.«
Hört auf, lächeln zu wollen, ihr blöden Mundwinkel!
»Ich habe auch niemanden«, sage ich nüchtern, statt aus dem Auto zu springen und einen spontanen Freudentanz einzulegen. Warum ich das Bedürfnis dazu habe? Keine Ahnung.
Als ich das Bild weglegen will, entdecke ich eine Zigarettenschachtel in der Mittelkonsole. Das letzte Mal habe ich in der Mittagspause geraucht. Da Caliente auf die Straße konzentriert ist, schnappe ich mir die Packung und ziehe eine Zigarette heraus. Natürlich wäre es höflicher, zu fragen, ob ich in seinem Auto rauchen darf. Aber … Nun ja, wäre er nicht mit seinen Kumpels in der Bank eingebrochen, könnte ich meine eigenen Kippen rauchen.
Ich öffne das Fenster ein Stück, navigiere das Feuerzeug aus der Schachtel und genieße den kratzigen Rauch in meiner Lunge.
»Hast du mir gerade eine Kippe geklaut?« Es ist Belustigung, die in seiner Stimme mitschwingt, kein Vorwurf.
»Ähm, hast du heute die Bank überfallen, in der ich arbeite?« Rauch wabert bei meinen Worten aus meinem Mund.
»Ich hatte keine Wahl«, gesteht er und wirft mir einen kurzen Blick zu. »Diese Typen sind nicht meine Freunde. Ich habe ihnen einen Gefallen geschuldet.«
Die Frage, warum er ihnen einen Gefallen geschuldet hat, brennt auf meiner Zunge. Doch seine angespannten Muskeln deuten davon, dass er nicht darüber reden will. Erneut ziehe ich an der Kippe.
Wind fegt ins Auto und schleudert die Glut auf mein Kleid. »Scheiße, verdammt!« Fluchend stopfe ich die Zigarette in den kleinen Aschenbecher.
»Alles okay?« Caliente fegt die Asche von meinem Bein und sofort versteife ich mich. Seine Finger auf meiner Haut leiten einen Impuls direkt in meine Mitte und meine Oberschenkel ziehen sich vor Lust zusammen. »Tut mir leid, ich wollte nicht …«, redet er sich raus und zieht seine Hand zurück.
Aber ich bin noch nicht bereit, ihn gehen zulassen und umfasse sie. »Nein. Du bist schön warm.« Auch wenn ich es nicht sollte, führe ich sie wieder zu meinem Oberschenkel.
Ein Schweigen legt sich über uns, während er sanfte Kreise über meine Haut zieht und ein Feuer in mir entfacht, dessen er sich vermutlich nicht bewusst ist.
Kapitel 5
»Hast du schon Mal etwas Verrücktes getan?«, flüstere ich und beobachte die Schneeflocken, die sanft auf die Windschutzscheibe fallen.
»So etwas, wie eine Bank auszurauben?« Sein leises Lachen über trägt sich von seiner Hand auf mich. »Dann ja. Und du?«
Ich schlucke schwer, ehe ich mich zu ihm drehe. Sein Profil wird von den Lämpchen im Auto erhellt. »So etwas, wie einen Fremden zu küssen?«
Seine Stirn liegt in Falten, als er sich zu mir dreht.
»Dann nein.«
»Möchtest du denn einen Fremden küssen?« Sein Schmunzeln, sorgt dafür, dass ich nirgendwo anders hinsehen kann.
»Wenn ich darf?« Das war es, ruft die Seelsorger! Mein Verstand ist zusammen mit jeglicher Vernunft im Schnee verloren gegangen.
Als Antwort fährt er an den Straßenrand und hält den Wagen an. »Dir ist bewusst, dass das weitaus verrückter ist, als nur eine Bank auszurauben?« Erneut lacht er, dieses Mal verlegen, heiser. Seine Hand liegt immer noch auf meinem Bein.
Zögerlich lehne ich mich über die Mittelkonsole zu ihm. »Mein Glückskeks hat mir gesagt, dass ich mein Schicksal selbst in die Hand nehmen muss.« Ich weiß, dass das verrückt ist. Aber ich will es trotzdem. Vielleicht gerade deshalb.
Ein Kribbeln jagt über meinen Körper, als er die Hand löst und auf meine Wange legt. »Was ein schlauer Glückskeks.« Warmer Atem streift meine Lippen, wird dann von seinen ersetzt. Erst zaghaft, als müsse er sichergehen, dass ich das wirklich will. Doch sobald ich meine Finger in die kurzen Haare in seinem Nacken vergrabe und ihn näher an mich drücke, werden seine Berührungen wilder. Mit einem Keuchen gleitet seine Zunge in meinen Mund und ich schmecke den Rauch der Zigarette und Minze. Von einem Kaugummi?
Lust übernimmt die Überhand in meinem Körper und ich klettere auf seinen Schoß, erfühle jede Muskelzuckung unter seinem Pullover. Er greift um meine Hüften und seine Finger graben sich in meine Schenkel. Ein verlangendes Stöhnen vibriert in meiner Kehle. Der Druck in meiner Mitte zieht sich beinahe schmerzhaft zusammen. Seit dem Umzug gab es nur meinen Job. Das hier fühlt sich verdammt noch mal nach Leben an.
»Ich bin übrigens Aya«, teile ich ihm zwischen den Küssen mit.
Seine Lippen streifen beim Lächeln über meine. »Dario.«
Schwer atmend lehne ich mich zurück. »Ich würde dich wirklich gern ficken, Dario.«
Das Blau seiner Augen verwandelt sich in einen tosenden Sturm, er zieht mich an der Hüfte zu sich, sodass ich genau auf seiner Erektion sitze, die sich durch seine Hose an mich drängt. Mein Wimmern wird von dem Kuss verschluckt und ich fürchte, meinen Slip kann ich nachher auswringen.
Langsam, viel zu langsam, wandert seine Hand zwischen meine Beine, doch ehe er mich berührt, hält Dario inne. »Bist du dir sicher, Aya?«
»Und wie«, wispere ich, umfasse ich seinen Arm und führe ihn zu meinem Slip.
»So feucht«, haucht er begleitet von einem kehligen Stöhnen. Sein Finger gleitet an dem Soff vorbei und ich werfe meinen Kopf in den Nacken, als er meine Feuchtigkeit auf meiner Klit verteilt und auf Anhieb den richtigen Punkt trifft, um mir den letzten Funken Verstand zu rauben. Er ändert die Position seiner Hand, reibt mit dem Daumen über mein explodierendes Nervenende und …
»Scheiße, mach das nochmal«, befehle ich ihm und schiebe meine Hüfte vor, damit er mich besser erreichen kann.
Zwei Finger gleiten in mich und er krümmt sie genau im richtigen Winkel, um mich an den Abgrund meines Seins zu befördern. Meine Oberschenkel zucken und beim nächsten Stoß löst sich sämtlicher Druck von mir, als hätte man ein Ventil nach einem langen Winter geöffnet.
Keuchend lehne ich mich vor, schweiß klebt an meiner Stirn, die ich an seine lehne.
»Ich will dich noch mal schreien hören.« Seine Stimme ist rau und kratzig.
»Dann fick mich endlich.«
Kaum habe ich ausgesprochen, öffnet Dario seine Hose und die Waffe, die ich ihm glücklicherweise nicht abgenommen habe, prallt gegen meinen Bauch.
Ich schiebe meinen Slip zur Seite, befeuchte meine Finger und umfasse seine Härte. Sie ist weich und samtig, trotzdem fühlt es sich so an, als hätte ich Eisen in der Hand. Sobald ich anfange, ihn zu verwöhnen, lehnt Dario seinen Kopf gegen die Sitzlehne und stößt zischend den Atem aus. Das macht viel zu viel Spaß.
»Reite mich, Aya.« Es ist ein Keuchen, doch es reicht aus, damit ich gehorche. Seine Eichel schiebt sich widerstandslos an meinem Slip vorbei und ich lasse mich langsam auf ihn sinken. Alles in mir dehnt sich, bis ich ihn komplett aufgenommen habe. Bei meiner ersten Hüftbewegung stößt mein Hintern gegen die Hupe, doch es interessiert uns beide nicht.
Dario umfasst meine Taille und fragt stumm nach mehr. Da auch ich es kaum länger aushalte, bewege ich mich schneller, fordernder. Sein Griff verstärkt sich, dann löst er ihn. Mit einer Hand stimuliert er meine Klit, die andere legt er um meinen Hals und zieht mich sanft zu sich. »Ist das okay?«
Ich nicke, lege meine Finger um seine an meiner Kehle. Damit, dass es ein Kinderspiel für ihn wäre, mich zu erwürgen, hatte ich recht. Doch er zügelt sich und drückt grade so fest zu, dass ich flache Atemzüge in meine Lungen ziehen kann. Warum sich kein Gefühl von Angst in mir ausbreitet, kann ich selbst nicht verstehen. Dario hat mir vom ersten Moment an, den Eindruck vermittelt, dass von ihm keine Gefahr ausgeht. Und ich hatte es schon mit mehreren Bankräubern zu tun.
Lichtblitze zucken vor meinen Augen und ich lasse meinen Kopf auf seine Schulter fallen, schmiege mich an den weichen Pullover. Erneut ein Hupen, dann zuckt seine Erektion in mir. Zeitgleich stöhne ich auf und beiße sanft in seine Schulter, damit ich die Scheiben nicht sprenge.
Unser schwerer Atem flutet das Auto. Der herbe Geruch nach Sex kitzelt in meiner Nase.
Dario drückt mir einen Kuss auf die Stirn, während seine Finger leichte Kreise auf meinem Rücken beschreiben. »Ist es schon zu spät, dich nach deiner Nummer zu fragen?«















