Beate Uhse macht schlapp vor der neuen Billigkonkurrenz

Vibratoren und Liebespuppen kosten im Internet 90 Prozent weniger als beim Marktführer

Sex sells. So heißt es jedenfalls. Dennoch ist die Erotikbranche kein gutes Geschäftsfeld für Anleger - jedenfalls wenn sie auf Kurssteigerungen aus sind. Der Marktführer in Europa, Beate Uhse, hat zwar in jedem Jahr große Pläne. Doch bisher ist die Börsengeschichte der Aktie eine einzige große Enttäuschung.

Das bestätigte auch die Halbjahresbilanz in dieser Woche. Wahrscheinlich liegt das daran, dass Beate Uhse schlecht geführt ist und bis vor kurzem so gut wie keine Konkurrenz hatte. Das verführt zu Trägheit, zumal man mit traumhaft hohen Margen arbeiten konnte.

Wie fantastisch die Gewinnmargen sind, führt den Käufern von Erotikartikeln gerade ein pfiffiger neue Konkurrent vor Augen, die Eis.de GmbH aus Bielefeld. Um auf sich und ihr Portal erotikshop.de aufmerksam zu machen, schicken sie gerade - völlig ungebeten und offenbar breit gestreut - dicke Pakete an Journalisten. Enthalten sind Sex-Artikel, die bei Beate Uhse etwa hundert Euro kosten würden. Bei Eis.de kosten eine Dildokollektion, eine Liebespuppe, Gleitcreme und ein paar Superkondome rund zehn Euro. Wie ist das möglich?

"Als wir vor zwei Jahren nach Geschäftsfeldern gesucht haben, stießen wir schnell auf den Erotikmarkt und wunderten uns, warum hier zum Beispiel eine "bebilderte Luftmatratze" 99 Euro und ein vibrierendes "Stück Plastik" bis zu 130 Euro kosten soll", schreibt Geschäftsführer Sven Wöhler den soeben beschenkten Journalisten in einem zweiseitigen Brief. "Nach ersten Gesprächen mit möglichen Lieferanten wurde uns schnell klar, dass wir auf einen Markt mit bis zu 2000 Prozent Aufpreis und somit riesigen Gewinnmargen gestoßen sind, der jedoch den Regel der Marktwirtschaft in den letzten Jahrzehnten scheinbar nicht so folgen musste, wie der Rest."

Klar, dass den Platzhirschen nicht gefällt, was da auf sie zukommt. Wöhler berichtet von Druck auf Lieferanten, Anfeindungen gegen Mitarbeiter, Klagen durch Konkurrenten. Dennoch laufen die Geschäfte von Eis.de offenbar. Warum? Wenn Beate Uhse einen Vibrator für 30 Euro verkauft, verdiene der Hersteller aufgrund des geringen Einkaufspreises nur wenige Cent. "Bei uns ist der Wareneinsatz bei jedem Produkt aufgrund der kleinen kleineren Gewinnmarge erheblich größer und der Hersteller verdient so im Ergebnis mehr", sagt Wöhler. Klar, denn er verkauft die gleiche Ware ja für weniger Geld.

"Ein, wie man meinen sollte, in der freien Marktwirtschaft völlig natürlicher Vorgang. Anscheinend aber nicht für die Erotikbranche", schreibt Wöhler - und nun kommt mein Lieblingsabschnitt: "Hier werden wir dafür offen als "unendlich dumm" bezeichnet und mit Belieferungsverboten belegt. Und warum? Anscheinend nur, weil wir "die Regeln sprengen"!" Und welche? Die Konkurrenz nicht zu unterbieten...

Wöhlers Brief zeigt mir, dass es um Beate Uhse ist es schlecht bestellt. Schon in der Vergangenheit war das Unternehmen nicht in der Lage, die hohen Margen zu nutzen. Das wird künftig immer weniger der Fall sein, obwohl das angeblich weltweit größte Unternehmen im Erotik-Business, mit Niederlassungen in 15 Ländern und Aktivitäten in 60 Märkten, prinzipiell eine starke Marktstellung besitzt. Doch angesichts der erneut schlechten Zahlen ist es vollkommen logisch, wenn Analysten wie Klaus Kränzle von GSC-Research in Düsseldorf weiter raten, die Aktie zu verkaufen. Sein Kursziel für die nächsten zwölf Monate hat er nochmals gesenkt: von 3,64 Euro auf 3,30 Euro. Was ist da bloß los?

Verantwortlich für die schwachen Zahlen sei vor allem der Versandhandel, schreibt Kränzle. Ein Wasserschaden von Ende 2006 wirke noch nach, weil dieser das Vertrauen der Kunden beeinträchtigt habe. Dieses sei noch nicht wieder vollständig wiederhergestellt. Das ist eine merkwürdige Begründung, über die sich Konkurrenten daher auch lustig machen. Womöglich ist die Ursache aber eher, dass Beate Uhse im Versandhandel einfach zu teuer ist - Preise lassen sich im Internet ja leicht vergleichen.

Kränzle rechnet in diesem Jahr mit einem Umsatz von 275 Millionen Euro und nächstes Jahr mit 282 Millionen Euro. Der Reingewinn werde jedoch mit 6,3 Millionen Euro deutlich niedriger als 2006 ausfallen, als es immerhin noch 9,7 Millionen Euro waren. Auch im kommenden Jahr erwartet Kränzle nur einen Gewinn von 8,2 Millionen Euro. Für ein Unternehmen, das nicht wächst, ergeben sich dadurch viel zu hohe Kurs-Gewinn-Verhältnisse von mehr als 25 für dieses und 19 für das nächste Jahr. Versöhnen mag da auch nicht die Dividendenrendite von 2,9 Prozent. Ob das wirklich eine Absicherung nach unten bleibt, darf noch bezweifelt werden.

Nur Liebhaber geben sich mit dieser Aktie ab. Das Unternehmen muss wohl erst völlig neu aufgestellt und ausgerichtet werden, damit der Aktienkurs wieder Beine bekommt. Das ist vorerst nicht in Sicht. Kränzle ist nicht ganz so negativ. Er sieht zwar weiter Unwägbarkeiten, aber auch schon Anzeichen für "eine operative Bodenbildung". Wenngleich auch er festhält: "Bis zur Rückkehr auf einen profitablen Wachstumskurs ist aber noch einiges zu tun." Wie wahr!